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5 Shades of … Langeweile

20. November 2017

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Kalter Herbstregen, Allein-Sein-Training und eine hartnäckige Verstopfung haben uns die Woche nicht gerade versüßt. Doch damit nicht genug: Auf seinem Endspurt zum offiziellen Erwachsensein legte Niko die vergangenen Tage noch einmal eine Pause ein und hatte seine persönlichen 5 Shades of Langeweile in petto. Ihm war nämlich langweilig, furchtbar langweilig und von Entspannung tagsüber keine Spur. 

Unter der Woche haben wir eigentlich eine festen Tagesrhythmus mit Ruhezeiten und ausgedehnten Spaziergängen, aber von Ruhe und Schlafen wollte Niko nicht viel wissen. Bei regelrechten Hummeln im Hintern kein Wunder:

Wer zuerst wegschaut, ….

Level 1 von Nikos Langeweile-Skala ist das klassische Anstarren. Eine Disziplin, die er bis zur Perfektion beherrschte und die sogar Zimmer überwinden kann. Wie ein falscher Fuffziger steht er irgendwo im Raum und starrt mich an. Hört Niko damit nicht von allein auf, schicke ich ihn auf den Platz. Konsequent. Das war übrigens ein Tipp meiner Hundetrainerin, die mich darauf aufmerksam machte, dass ich ihm klare Richtungen vorgeben soll, wenn er anscheinend nicht weiß, was er tun soll. 

Papierkörbe, Müll und Wühlecken

Bleibt Level 1 erfolglos und ich sitze weiterhin am Schreibtisch, schaltet Niko einen Gang höher. Mit einem Schultermaß von knapp 37cm ist er für das Durchwühlen unserer Papierkörbe im Büro quasi prädestiniert. Es wird also gewühlt, was das Zeug hält – Brötchentüten, Papiertaschentücher und gerne auch Essensreste. Meine Aufmerksamkeit ist ihm damit garantiert sicher. Denn nichts macht mehr Spaß, als mit einer raschelnden Tüte – im Idealfall noch mit Inhalt – unter den Tischen durchzusausen und die kleinen Schlappohren auf Durchzug zu stellen. Ist Niko besonders gut drauf, setzt er noch einen oben drauf und zerreisst in sicherer Entfernung die Tüten fein säuberlich und ein Krümelregen ergießt sich über den Büroteppich. 

Nein! Aus! & Körbchen!

Imaginärer Stinkefinger-Alarm. Bleibt auch die dritte Ansage ungehört, ist der Spaß vorbei. Meine Hand zeigt ganz deutlich in Richtung Körbchen. Bewegt sich der Lockenkörper dann immer noch nicht (ein äußerst seltener Fall), kommt er in den Genuss dorthin getragen zu werden. Niko versteht es nämlich ganz hervorragend, auf Durchzug zu stellen. Will er es wissen, ergreift er noch wenigen Augenblicken wieder die Flucht und macht das Büro unsicher.  Jetzt ist ein kühler Kopf gefragt und die Kunst, die Stimme noch nett, aber bestimmt klingen zu lassen. Der Wettkampf, wer sich von uns beiden durchsetzt, läuft nun auf Hochtouren. Wer wird wohl den längeren Atem haben? 

 

Kopf auflegen

Wenn das alles noch nicht zieht und der Mittagsspaziergang oder Feierabend noch in der Ferne sind, startet Niko eine neue, gut durchdachte Offensive: Kopf auflegen. Diese Masche legt er auch an den Tag, wenn er in den Taschen meiner Kollegen leckere Sachen erschnüffelt hat und sie unbedingt haben will. Um ans Ziel zu kommen, mutiert er zum Ober-Charmeur und weiß seine Knopfaugen gezielt einzusetzen. Bis vor einigen Monaten bin ich darauf unwissend eingegangen – habe ihn angesprochen und gestreichelt. Ein massiver Fehler und 1:0 für den Pudel! Jetzt heißt es: striktes Ignorieren und auf den Platz schicken. Ansonsten komme nämlich nicht nur ich zum Arbeiten, sondern meine Kollegen auch nicht. 

Anstupsen

Für das große Finale wird kräftig gestupst. Eigentlich ganz niedlich, aber ein Blick hinter die Kulissen offenbart die schonungslose Wahrheit: eine ordentliche Pöbelei, die so nicht okay ist und natürlich auch ihre Konsequenz fordert. Meistens schafft es Niko aber nicht mehr über diese Ziellinie, gibt schon vorher mit einem großen Schnaufer auf und rollt sich letztendlich auf seine Decke.

Typisches Meeting: Niko mit meiner Kollegin Julia

Warum ist Langeweile wichtig?

In letzter Zeit kann Niko im Büro schlecht entspannen und schläft recht wenig. Auch in Meetings dauert es eine ganze Weile, bis er sich endlich ablegt und zur Ruhe kommt. Was ihm in kleinerer Runde ganz gut gelingt, passiert in größeren Teamrunden äußerst selten. Da wird von A nach B gelaufen, sich kurz in die Mitte der Runde gelegt, wieder aufgestanden, jemand gesucht zum Streicheln, kurz staubsaugen unterm Tisch und so weiter. Ich beobachte das Verhalten ein bisschen Argusaugen, denn Abschalten und Schlafen ist für unsere Vierbeiner enorm wichtig und meines Erachtens kommt das beim Pudel gerade etwas zu kurz, wenn wir im Büro sind. Auch mit ein Grund, warum ich immer ultrafrüh im Büro bin. Zum Einen nutze ich ja unseren Weg zur Arbeit als ausgiebige Morgenrunde. Aber auch das leere Büro tut nach der Fütterung sein Übriges. Ich mache dann meistens das große Licht wieder aus und meine kleine Schreibtischlampe an. Etwas mehr Gemütlichkeit und Ruhe bringt auch den größten Pudeldickkopf ins Schlummerland. So kann ich wenigstens sicherstellen, dass Niko noch ein Stündchen plus schläft, bevor die ersten Kollegen eintrudeln und Niko aufdrehen will. 

Bis zu 20 Stunden!

Nicht jeder Hund muss tatsächlich seine 20 Stunden täglich schlafen. Mit unserem Arbeitsweg, dem Mittagsspaziergang und dem Treiben im Büro komme ich da mit Niko auch nicht hin. Doch viele Tiere überschätzen sich und fordern nicht genügend Ruhezeit für sich ein. Vergleichbar ist das Verhalten mit kleinen Kindern. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, wie oft wollte ich trotz langem Tag, zufallenden Augen und schläfrig-schweren Körper nicht ins Bett gehen? Der Besuch im Wohnzimmer war doch viel spannender und überhaupt … Und jetzt liegt es quasi an mir, für Niko ausreichend Erholung und Ruhe zu sorgen.

Die optimale Schlafecke

Im Großraumbüro mit vielen Kollegen und wenig Rückzugsmöglichkeiten ist es natürlich eine kleine Herausforderung, eine ruhige Schlafecke zu finden. Auch das grelle Licht der Deckenlampen wird uns nun erstmal durch die Wintermonate begleiten. Seit zwei Wochen überlege ich schon, wohin ich Nikos Platz verlege, und ob ich dafür ich meinen Schreibtisch umstellen muss, um vermeintliche Reize zu reduzieren. Ein großes Manko ist natürlich, dass er jedes Mal auf Zack ist, wenn ich den Büroraum verlasse, um zum Beispiel auf Toilette zu gehen. Auch daran müssen wir verstärkt arbeiten – ich befürchte, langsam wird das eine Langzeitbaustelle 🙁

Um Niko den neuen Platz und die festen Schlafzeiten schmackhaft zu machen, bekommt der Pudel zum Geburtstag übrigens ein neues Bett fürs Büro. Wir haben das Bett einfach Nina und Frida, von Der weiße Hund, dreist nachgekauft. Denn ich auch war schon länger auf der Suche nach einer Schlafhöhle, in die nicht nur Mini-Hunde passen. Das Bett ist zwar noch nicht hier, aber ich bin schon sehr gespannt, wie Niko darauf reagieren wird und sich genauso reinschmeisst, wie in sein Bett zu Hause. Aber psst, es soll ja eine Geburtstagsüberraschung werden 😉

Auf eine schöne und ruhige Woche!

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