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Der fellige Patient: Krankenversicherung – ja oder nein?

16. Dezember 2016

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Schnupfen, verletzte Pfötchen oder Magenverstimmung – das Wartezimmer der Tierärzte immer sehr gut gefüllt. Auch bei uns ist wieder der obligatorische Routinecheck dran, der mich in alter Tradition ziemlich nervös werden lässt. Ganz anders der Pudel. Niko liegt meistens ruhig im Wartezimmer und genießt die Gesellschaft der anderen Fellnasen. Denn immerhin wartet die große Dose mit Leckerlis im Sprechzimmer auf ihn. Die Assistentinnen wickelt er schon gekonnt um die Pfote und staubt nach der Behandlung ab wie kein Zweiter.

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Bis auf die regelmäßigen Routinechecks sind wir bisher von größeren Notfällen so gut wie verschont geblieben. Die Granne im Ohr und das verstauchte Knie vom Toben hielten die Kosten zum Glück in Grenzen. Doch wenn es mal brenzlig wird, können OP und Spezialuntersuchungen wie Ultraschall und Tomografie schnell ein Loch in die Kasse reißen! Diese Strapazen für den Geldbeutel haben Versicherungen für sich entdeckt und ihr Angebot um Tierkrankenversicherungen aufgestockt. Als Sicherheitsmensch müsste mir nun tatsächlich das Herz aufgehen. Zumal Nikos Leukozyten (zwar minimal) gestiegen sind und liegen schon von Anfang an außerhalb des Normbereichs. Niemand weiß genau, warum seine weißen Blutkörperchen steigen, während alle anderen Werte im grünen Bereich liegen. Der Beruhigung meines Tierarztes zum Trotz gibt mein Kopf aber keine Ruhe und ich will mir unbedingt eine zweite Meinung einholen, auch wenn ich dafür wieder tiefer in die Tasche greifen muss. Also Grund genug, eine eigene Krankenversicherung für Niko abzuschließen?

Weniger als ein Prozent der Haustiere sind versichert

Das Angebot möglicher Versicherungen ist groß – wundert mich auch nicht, denn der Deutsche an sich ist ja sehr versicherungsfreudig. Meine Großeltern zum Beispiel hatten für das selbstgebaute Gewächshaus (wohlgemerkt aus alten Fenstern) eine Glasversicherung aufgeschwatzt bekommen. Allerdings sollen die Policen unter den Tierfreunden immer noch echte Nischenprodukte sein. Wer hätte das gedacht?! Haben andere Länder wie Schweden oder England deutlich die Nase vorn, sind die hiesigen Halter deutlich zurückhaltender.

Der Preis macht den Unterschied

Robuste Frohnatur oder Magnet für Zipperlein? Wie bei uns Menschen gibt es unter den Vierbeinern mehr oder weniger anfällige Persönlichkeiten. Auch kleinere Behandlungen wie verletzte Pfoten oder Durchfall können sich übers Jahr verteilt durchaus läppern. Läuft das Ganze auf Operationen oder aufwendige Untersuchungen hinaus, ist der vierstellige Betrag schnell erreicht. Im Notfall lässt sich auch nicht lange überlegen – generell sollten Behandlungen sowieso nicht herausgezögert werden. Eine Krankenversicherung kann also eine gute Lösung sein. Unterschieden wird allgemein zwischen einer Krankenversicherungen an sich und einer reinen OP-Versicherung: Eine OP mit anschließender Nachsorge gehört zu den teuersten Behandlungen in der Tierarztpraxis. Die Versicherung springt bei krankheits- oder unfallbedingten Operationen ein und übernimmt auch Voruntersuchung, Klinikaufenthalt und eine eventuell notwendige Physiotherapie.
Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte über eine Komplett-Versicherung nachdenken. Das macht bei sehr anfälligen Hunden durchaus Sinn. Zumal zuchtbedingt so manche Rasse mit ihren ganz eigenen Wehwehchen zu kämpfen, die in meisten Fällen schon im Welpenalter auftreten. Die Allround-Versicherung zahlt dann alle Operationen sowie sämtliche anderen Untersuchungen, wie Impfungen, Wurmkuren, Medikamente oder sogar homöopathische Behandlungen. Das schlägt sich natürlich auch in ihrem Preis nieder, der von Anbieter zu Anbieter deutlich schwankt. Die Kosten variieren hauptsächlich nach Größe, Rasse und Alter des Tieres. UND: Nur bei wenigen Tarifen sind Vorsorgeleistungen, Kastration oder Impfungen inbegriffen.

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Der Teufel steckt im Kleingedruckten

Wer schon Versicherungen abgeschlossen hat, egal welcher Art, kennt sich (hoffentlich) mit AGBs und Kleingedrucktem aus. Auch bei Tierkrankenversicherungen lohnen sich Vergleiche und vor allem der prüfende Blick auf die Konditionen. Freie Tierarztwahl, Reiseschutz oder die Höchstgrenze für Kostenübernahmen sind nur einige Eckpunkte, die es in die Entscheidung einzubeziehen gilt. Zum Beispiel machen einige Anbieter auch deutliche Unterschiede zwischen den Rassen. Fellnasen mit höherem Aggressionspotential (ich möchte hier ungern „Kampfhunde“ sagen) zahlen oft drauf. Oder der Versicherungsantrag wird komplett abgelehnt, wenn schon bestimmte Vorerkrankungen bekannt sind oder sich langwierige Behandlungen von rassebedingten Erkrankungen abzeichnen. Je früher eine Versicherung abgeschlossen wird, umso besser.

Vorher überlegen und abwägen!

Anders als die Haftpflichtversicherung sind Krankenversicherungen reine Zusatzleistungen und keine Pflicht, können aber für den Privatpatienten sehr nützlich sein. Aber Vorsicht vor allzu günstigen Angeboten – hier sind Überraschungen vorprogrammiert. Denn was nützt es zum Beispiel, wenn der Jahresbeitrag fast so hoch ist wie die eventuelle Leistung der Versicherung oder die vereinbarte Selbstbeteiligung immer noch sehr noch ist?

Ich bin mir immer noch nicht schlüssig und will erstmal abwarten, was bei unserem Besuch bei der anderen Tierärztin herauskommt. Und solange mache ich einfach weiter wie zu vor und lege einfach jeden Monat etwas Geld zurück. Denn sicher ist sicher!

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