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Nikos Woche: Über Rückfälle, Aufreger und volle Bucket-Listen

14. November 2017

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Huch, schon wieder eine Woche rum und wir sind leicht in Verzug. Gefühlt haben wir irgendwie die ganze Zeit in unseren kuscheligen vier Wänden verbracht. Denn das Berliner Herbstwetter zeigt sich nicht von seiner charmantesten Seite und auch für mich stehen diverse spannende Projekte an, die meine Aufmerksamkeit momentan sehr fordern. Dazu aber in ein paar Wochen mehr 😉

In der vergangenen Woche war das Lockenknäuel mal wieder sehr erfolgreich – geschickt und mit äußerster Sensibilität, Situationen für sich gezielt zu nutzen, zog Niko plündernd durchs Büro. Opfer seines Anschlags: meine Kollegin Julia. Ihm war anscheinend unser Montags-Meeting  zu langweilig, also musste was zum Beißen her. In Julias Tasche wurde er fündig und ließ sich das liebevoll zubereitete Schinken-Käse-Sandwich schmecken. Hätte er die Salatgurken-Scheibe nicht liegen lassen, wären wir ihm vermutlich nicht so schnell auf die Schliche gekommen. Schlechtes Gewissen? Keine Spur, denn Frechheit siegt! Dreist wie kein Zweiter versuchte er die gleiche Masche ein paar Stunden später bei meiner Kollegin Theresa, obwohl sie direkt daneben saß und ich ihn beobachtete. Dieser Pudel!

Gleich zweimal musste ich mich dann doch noch aufregen – nein, nicht wegen Niko.

Über Facebook erfuhr ich von einem Gerichtsurteil in Dänemark, durch das zwei Hunde ihr Leben verloren haben. Was Frigg und Marley getan haben? Nichts – sie waren einfach am Leben. Ihre Rasse ist in Dänemark verboten. Durch zwei Instanzen haben ihre Halter und der Verein FairDog.dk um ihr Leben gekämpft. Vergeblich – relativ schnell nach der Urteilsverkündung durch das Oberste Gericht wurden die beiden (vermeintlichen) American Staffordshire Terrier eingeschläfert. Das Schicksal der Beiden ist nur ein Mini-Beispiel dafür, wieviel Ungerechtigkeit und quasi auch Rassismus herrscht. Denn ganz egal, welcher Rasse ein Hund angehört, wie groß er ist, wie alt oder ob er schwarzes Fell hat, er hat per se das Recht auf Leben, wie jedes andere Lebewesen auch. Es ist die Verantwortung des Halters, seinen Vierbeiner gut zu sozialisieren und entsprechend zu erziehen. Wie leicht man sich in ein Klischeedenken begibt, davon konnte ich mich vor einiger Zeit selbst nicht ganz frei machen. Gemeinsam mit Niko war ich bei Kinga von Unique Dog und ihren beiden Damen Fasa und Shila eingeladen. Shila ist ein großes Rottweiler-Mädchen und auf unserem Weg zur Verabredung machte ich mir Gedanken, wie sie wohl auf den quirligen Pudel reagieren würde und ob die Chemie zwischen den beiden Rassen passen könnte. Im Grunde ist ein wenig Vorsicht immer angebracht, aber meine Zweifel wurden schon an der Haustür zerstreut. Denn Shila ist die sanftmütigste Riesin, die ich bisher getroffen habe. 

Der zweite Aufreger ließ auch nicht lange auf sich warten und kam direkt aus meinem Nachbarkiez. Im Görlitzer Park ist seit mehreren Jahren ein Kinderbauernhof angesiedelt. Dort hatte sich ein junger Mann an einem Pony vergangen und wurde von einer Babysitterin in flagranti erwischt. Durch die Parkläufer konnte der Mann wenig später gestellt werden. Soweit so gut und schon schlimm genug. Aber – in sämtlichen Berichterstattungen wie RTL, Huffington Post oder Berliner Tagesmedien ging es dann um das Trauma der Besucher und dass der Mann nun Haus- und Hofverbot hätte. Aha. Aber was ist mit dem Tier? Keine Zeile, ob und wie sich nun um das traumatisierte Tier gekümmert wird – es ist ja schließlich das Opfer. Als Leser, Berliner Bürgerin und Tierfreundin interessiert es mich nämlich brennend, wie mit psychischen Misshandlungen umgegangen wird und wie sich der Bauernhof generell vor solchen Übergriffen in Zukunft schützen möchte. Ein klares Zeichen, wie sehr wir noch an unserem Weitblick und die Wahrnehmung tierischer Lebensbegleiter arbeiten müssen. 

Nun aber zu erfreulichen Dingen:

Noch 44 Tage!

Dann ist zwar ganz knapp Weihnachten vorbei, aber keineswegs die große Feierei: Niko reiht sich nicht nur in die Familien-Geburtstage ein, sondern teilt sich diesen Tag sogar noch mit meinem Bruder. Er wird nun stolze 3 Jahre alt und ist damit auch erwachsen. Das Ganze wird natürlich auch gefeiert. Aber keine Sorge – Halsbänder, Tücher und Plüsch-Weihnachtsmänner, die Pendants zu Socken, Kalendern und Kochtöpfen unterm Baum, werden nicht ihren Weg in den Pudel-Geschenkekorb finden. Der eine oder andere Leckerbissen aber schon 😉 Vielmehr möchte ich noch bewusster für Niko einkaufen und mich auf wirklich sinnvolle Dinge beschränken. Und damit lande ich dann direkt wieder bei meiner Bucket List. Die pflege ich handschriftlich in meinem Planer und konnte in den vergangenen Monaten leider keinen einzigen Haken setzen. Ganz weit oben stehen Schwimmen lernen, Strandurlaub, diverse Road- und Bergwander-Trips, aber auch alltägliche Dinge wie Lernen am Fahrrad zu laufen.

Um das Projekt Bucket List nun etwas ernster in Angriff zu nehmen, gehört seit dem Wochenende ein Outdoor-Hundeschlafsack zu unserem Equipment. Camping-Abenteuer, ob nun am Strand, im Wald, im Van oder auf der Wiese können nun kommen. Beim Auspacken war ich sehr gespannt, wie Niko den Schlafsack finden würde. Bisher hatte ihn das Rascheln meines Schlafsacks immer etwas irritiert und Zudecken ist auch so gar nicht seins. Doch die Neugierde war anscheinend so groß, dass er es sich gleich mal gemütlich machte. Test mit Bravour bestanden! Der Schlafsack darf bleiben.

Die Sache mit der Konsequenz und den alten Mustern

Bis die großen Abenteuer locken, haben wir noch anderer Stelle genug zu tun: und zwar mit unserem guten alten Freund Alleine-Bleiben-Training. Aufgrund diverser Projekte habe ich das Training in letzter Zeit in wenig schleifen lassen. Wir haben uns mittlerweile so sehr eingroovt, dass es mir gar nicht mehr auffällt, dass ich Niko sehr wenig zu Hause lasse. Darauf hat sich der Pudel natürlich liebend gerne eingestellt, wie mir der Samstag zeigte: Nach unserem Einkauf beim Hundefleischer parkte ich ihn kurz in der Agentur, um schnell in den Supermarkt zu eilen. Eine Portion frischer Hühnerherzen sollte dabei ihr Übriges tun. Die Rechnung ging nicht auf. Ein empörtes Gebell empfing mich schon auf dem ersten Hinterhof. Ein echter Rückschritt. Und damit wären wir wieder bei unserer Bucket List und einer Top-Platzierung für: die Konsequenz.

Ist das in zwischenmenschlichen Beziehungen eher kein Problem, wickelt mich Niko ziemlich häufig um seine kleine Pfote. Angefangen im Straßenverkehr mit dem obligatorischen Halt an jedem Bürgersteig über stetiges Ins-Körbchen-Schicken, wenn er mir wie ein penetranter Schatten durch die Wohnung folgt. Zwischenzeitlich versuchte ich sogar mein Glück bei einem Gewinnspiel. Verlost wurden einige RelaxoDog Geräte, die Entspannung und Support in Stress-Situationen versprechen. Wäre auf jeden Fall einen Versuch wert gewesen. Aber wir sind leer ausgegangen. Zum Glück?! Ja! Denn so müssen wir bzw. ich wieder selbst disziplinieren und aus eigener Kraft ran. 

Und damit fangen wir heute Abend auch gleich an.

Euch eine schöne Woche!

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