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Bevor es juckt, kratzt oder brennt: Unser Pudelpflege-Einmaleins

2. Juli 2016

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 Nicht nur ein lecker gefüllter Teller, spannendes Spielzeug und eine kuschlige Decke sorgen für ein erfülltes Pudelleben. Was für uns selbstverständlich ist, gehört auch bei unseren Hundefreunden auf den Stundenplan. Damit meine ich nicht Shamponieren und aufwendige Frisuren, sondern die notwendige Pflege, damit der Pudel von Welt nicht nur gut aussieht, sondern vor allem auch gesund bleibt. Denn: Echte Schönheit kommt von innen 😉

Wer Niko kennt beziehungsweise uns regelmäßig folgt, weiß, dass Niko – ganz Hund – eher der natürliche Typ ist und sich ohne auftoupierte Ohren, ausrasierte Pfoten und kahle Schnauze sichtlich pudelwohl fühlt.  

Trotz natürlicher Note hat auch Niko seinen ganz persönlichen Pflegeplan, den wir mit Euch teilen wollen:

Unsere tägliche Routine

Kleinere Pflege-Einheiten gehören nicht unbedingt zu Nikos Tageshighlights und meistens ernte ich dafür empörte Blicke: Aber was sein muss, muss sein. Nur so lassen sich Krankheiten vorbeugen und frühzeitig erkennen.

Los gehts schon direkt nach dem Aufstehen. Nach Nikos Morgen-Yoga schauen wir uns tief in die Augen. Meistens hat sich dort über Nacht ein bisschen „Schlaf“ gesammelt. Den getrockneten Ausfluss entferne ich ganz vorsichtig mit einem feuchten Tuch. Aber Vorsicht: Die Augen sind generell sehr empfindlich und daher bitte niemals schnell und hastig mit dem Finger(nagel) versuchen, den Ausfluss abzukratzen. Verletzungen und Reizungen sind vorprogrammiert! Auch Autofahrten bei offenem Fenster, aus dem die Fellnase noch rausschaut, sollte unbedingt vermieden werden. Selbst wenn es noch so heiß draußen ist. Hunde können sich nicht nur sehr schnell eine Erkältung holen, sondern obendrauf auch eine Bindehaut-, Mandel- oder Mittelohrentzündung.

Schmuddelfüße nach dem Spaziergang

Schmuddelfüße nach dem Spaziergang

Nach der ersten Morgenrunde sind Pfoten und Krallen dran. Ein schneller Check, der eigentlich nach jedem Spaziergang gemacht werden sollte.

Verletzungen an der Pfoten (zum Beispiel durch Glasscherben, eingetretene Grannen, Dornen oder aufgescheuerte Ballen)  sind nicht nur äußerst schmerzhaft, sondern brauchen auch eine ganze Weile, bis sie wieder verheilt sind. Bei nassem Wetter bleiben zwischen den Ballen gerne Erdklümpchen hängen, die entfernt werden müssen. Streusalz im Winter ruft Entzündungen hervor; Kalk und Zementreste reizen die empfindlichen Zwischenräume. Am Besten die Pfoten zu Hause gut abspülen und abtrocknen. Sind bereits Rötungen oder Hinweise auf Verletzungen zu sehen, sollte es schnellstens zum Tierarzt gehen. Viele schwören insbesondere im Winter auf das Einfetten der Pfoten mit Vaseline. Auch hier heißt es Vorsicht: Ein Überpflegen mit zuviel Fettcreme weicht die Ballen stark auf und macht sie zusätzlich empfindlich.

Ähnlich bei den Krallen: Nicht immer haben Hunde genügend Gelegenheit, sich auf hartem Boden ihre Krallen abzuwetzen. Ob die Krallen zu lang sind, lässt sich ganz einfach herausfinden: Dazu lasst Ihr den Hund gerade stehen. Bei normal gekürzten Krallen müssen die Unterseiten der Ballen und der Krallen in einer Ebene liegen. Umso besser, wenn die Krallen sogar noch ein bisschen kürzer sind. Berühren die Krallen allerdings den Boden, müssen sie gekürzt werden. Das ist aber kein so leichtes Unterfangen und und damit ein Fall für den Fachmann beziehungsweise den Tierarzt. Wer sich trotzdem wagen möchte, sollte eine Feile und Spezialzange zurechtlegen und sich langsam vortasten. Denn in den Krallen befinden sich Blutgefässe, die verletzt werden können und zu Negativerfahrungen beim Vierbeiner führen. 

Weiter gehts dann mit dem Fell: Auch wenn Ausflüge in die Natur noch so schön sind, lauern im Wald und im Gebüsch so manche Plagegeister. Insbesondere Zecken sind Auslöser einiger mehr oder weniger akuten Erkrankungen. Nach jedem Spaziergang oder am Abend sollte daher der Fellfreund gründlich nach Zecken oder anderen Auffälligkeiten untersucht werden. Das Entfernen von Zecken ist nicht ganz so einfach und erfordert etwas Übung. Gute Tutorials finden sich im Internet. Auf jeden Fall sollte eine Zeckenzange zu Hause nicht fehlen!

Und noch ein kleiner Tipp: Ich bin ein großer Igelfreund und habe schon so manchem Stacheltier über die Straße geholfen. Aber: Igel sind wahre Zecken- und Flohmutterschiffe. Schon ein kurzer Schnüffler an einem Igel kann ausreichen, dass sich der Hund einen Satz Flöhe einfängt. Wenn es Euch gelingt, solltet Ihr den Kontakt zwischen beiden Parteien daher vermeiden. 

Mindestens einmal pro Woche

Eine ordentliche Fellpflege ist trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner Lockenpracht für Herrn Pudel unerlässlich. Regelmäßiges Kämmen und Bürsten ist daher Pflicht. Es muss aber nicht täglich sein. Ich bürste Niko ungefähr zwei bis drei Mal in der Woche – dafür aber etwas gründlicher mit einem groben Kamm und einer Bürste. Insbesondere am Bauch neigt Niko zu Verfilzungen, die ich dann behutsam entwirre. Sobald sich nämlich aus dem Wollfell eine richtige Klette gebildet hat, hilft nur noch rausschneiden. Damit aus Pflicht aber noch ein bisschen Kür wird, bürste ich Niko noch mit Naturborsten. Die wirken angenehm wie eine Massage und verstärken die Durchblutung der Haut. Niko genießt diesen Teil unseres Pflegeprogramms natürlich ganz besonders. 

Volle Haarpracht im Gehörgang

Volle Haarpracht im Gehörgang

„Wer mit den Ohren schlackert, macht sich verdächtig.“ Schlappohren müssen permanent überwacht werden. Dadurch, dass das Ohr quasi hängt, werden die Gehörgänge verdeckt und können schlecht auslüften. Rötungen und Geruch im Ohr sind die ersten Anzeichen, dass etwas nicht stimmt. Mit Milben und Pilzen ist eine mangelnde Pflege häufig Ursache für Entzündungen, welche durch ständiges Schütteln des Kopfes und durch einen üblen Geruch aus dem Ohr deutlich zu erkennen sind. Auch Fremdkörper schleichen sich schnell in das Ohr und wandern in den Gehörgang. Gerade jetzt im Sommer sind zum Beispiel Grannen sehr gefährlich. Erst neulich habe ich selbst bei Niko eine Granne nicht entdeckt. Erst als er plötzlich auf der Straße anfing, zu fiepen und sich am Ohr zu kratzen, wurde mir das Malheur bewusst. Der Tierarzt musste ordentlich in Nikos Ohr wühlen, bis der Übeltäter endlich mit der Zange entfernt werden konnte. 

Soweit braucht es aber gar nicht zu kommen. Einmal in der Woche reinige ich Nikos Ohren und entferne lose oder in den Gehörgang gewachsene Haare. Am Anfang habe ich die Haare lieber abgeschnitten. Ein großer Fehler, wie mich der Tierarzt aufklärte: Denn die abgeschnittenen Haare können in den Hörgang fallen und wiederum Entzündungen auslösen. Zum Auswischen des Ohres benutze ich immer einen Q-Tip, den ich in normales Ohrreinigungsöl tauche. Auch wenn auf den ersten Blick immer nichts zu sehen ist, bin ich immer wieder überrascht, wieviel Schmutz sich auf dem Q-Tip sammelt. 

Knabberspaß und Zahnpflege

Knabberspaß und Zahnpflege

Einmal pro Woche schaue ich mir auch das kleine Pudelmäulchen an. Zahnstein, Mundgeruch und verfärbte Zähne sind nicht nur leicht zu erkennen, sondern können unbehandelt zu starken Schmerzen, Entzündungen und Zahnverlust führen. Ist bei der Kontrolle ein gelber Belag zu sehen, kann dieser durch vorsichtiges Abreiben mit Watte oder einer kleinen Zahnbürste entfernt werden. Da Nikos Zähne bis jetzt tiptop in Ordnung waren, konnten wir die Empfehlungen, Zahnstein mit Zitronensaft oder Schlämmkreide abzubürsten noch nicht testen. Vielleicht liegt es aber auch an seiner Futterzusammenstellung: Niko wird ausschließlich BARF gefüttert und bekommt einmal in der Woche einen leckeren Kalbsknochen zur Zahnreinigung. Das Ergebnis spricht bis jetzt für sich – kleine, weiße und starke Beißerchen. 

Alle 2 bis 3 Wochen

Wie Ihr merkt, sind Fell- und Ohrenpflege die Evergreens in unserem Pflege-Einmaleins. Was den Pudel leider nicht freut, denn gerade in den Ohren sind die Vierbeiner sehr empfindlich. Und wenn es wieder an das Entfernen der Ohrenhaare geht, ist mir ein vorwurfsvoller Blick und ein paar Stunden Distanz mehr als sicher. 

Rassebedingt neigen Pudel zu starkem Haarwuchs in den Ohren, die ein Abfließen des Ohrenschmalzes verhindern. Über die Zeit bildet dieser Schmalz zusammen mit den Haaren ein feste Masse, die nicht selten in einer schweren Entzündung endet. Um dies zu vermeiden, entferne ich daher regelmäßig Nikos äußere Ohrenhaare. Am Anfang war ich etwas zimperlich, aber seit der Sache mit der Granne, nehme ich meinen Mut zusammen und warte damit nicht bis zum nächsten Routinecheck beim Tierarzt. Mit einer Flachpinzette entferne ich nur die Haare im sichtbaren oberen Bereich und reinige auch nur diesen Bereich ganz leicht mit einem Q-Tip und einem Reinigungsmittel für Ohren. Alle tiefer gelegenen Stellen sind Sache des Tierarztes, denn die Gefahr für Verletzungen im Gehörgang sind zu groß!

Ein großes Unterfangen ist auch immer Nikos Gesichtsfrisur. Unter Pudelfreunden ist das vollständige Ausrasieren der Schnauze noch weitestgehend verbreitet. Ich persönlich bin weder ästhetisch noch aus gesundheitlichen Gründen ein Freund von dieser Prozedur. Die Tasthaare, die bei der Rasur zum Opfer fallen, liefern mit ihren Nervenzellen wichtige Infos für das Gehirn. Daher beschränkte ich mich immer auf das Freilegen der Augen und stutze nur unregelmäßig seinen kleinen Bart. Hierfür benutze ich eine abgerundete Pudel-Schere, die im gut sortierten Tierbedarf bestellt werden kann (eine sehr schöne und detaillierte Anleitung für eine normale Pudelschur findet Ihr hier). 

Besonderes im Sommer und Winter

Niko ist ein Hund und darf sich entsprechend auch so in der Natur bewegen. Natürlich schleppt er die eine oder andere Sandspur in die Wohnung. Das heißt aber wiederum nicht, dass er regelmäßig gebadet wird. Wie oft der kleine Kerl in den vergangenen 12 Monaten geduscht wurde, kann ich tatsächlich an einer Hand abzählen. Für mich kommt ein Bad nämlich nur in Frage, wenn er wirklich richtig schmutzig ist – sei es durchfallbedingt oder durch Suhlen in Exkrementen. Für solche Fälle habe ich auch ein ganz mildes Welpenshampoo zu Hause oder benutze tatsächlich nur klares Wasser. Die Badewanne lege ich vorher mit einem Handtuch aus, damit sich Niko durch den Farbe des Tuches räumlich orientieren kann. Während des Badens müsst Ihr unbedingt auf die Augen und die Ohren achten und von den Putzmaßnahmen verschont bleiben. Im Anschluss sollte der Fellfreund möglichst schnell abgetrocknet werden, damit er sich nicht erkältet.

Mit seinem dichten Fell scheint Niko besonders im Sommer ordentlich zu schwitzen. Und in der Tat machen ihm Sonne und Hitze ziemlich schnell zu schaffen. Ein Sommerhaarschnitt ist auch für Pudel ein willkommene Abkühlung. Allerdings darf das Fell aber nicht zu kurz geschoren werden, denn es dient als natürlicher Sonnenschutz. Daher benutze ich für Nikos Sommerfrisuren keinen kleinen Scherkopf, sondern achte darauf, dass sein Fell insbesondere auf dem Rücken ungefähr 1cm lang bleibt. Wäre das Fell nämlich zu kurz, wäre ein schlimmer Sonnenbrand nicht weit. 

Wird es wiederum kälter, blüht Niko draußen richtig auf. Zwar hat er den Schneespaß noch nicht so ganz für sich entdeckt, aber ich warte einfach mal den nächsten Winter ab. Ist es dann so richtig kalt und eisig, brauchen die Pfoten noch einmal besonders Augenmerk. Zwischen den Zehen können sich schnell Eisklumpen bilden. Um das zu vermeiden, kürze ich die Haare in den Ballen. Etwas schwierig und muss auch öfters geübt werden, da sich Niko an den Füßen nicht so gern anfassen lässt. Wenn Ihr draußen unterwegs seid, versucht, mit Salz gestreute Straßen zu vermeiden. Das Salz führt zu spröden, rissigen Ballen und würde schon bei kleinen Wunden unnötige Schmerzen verursachen. Aber generell gilt, wie in den restlichen Jahreszeiten auch: Nach jedem Spaziergang die Pfoten anschauen und (ggf.) abwaschen.

Gehört Euer Begleiter zu den Schnee-Gourmets, solltet Ihr dies unbedingt unterbinden: Nicht nur Rollsplit, Streusalz, sondern auch Frostschutzmittel können dem kleinen Freund gehörig auf den Magen schlagen. Schon wenige Tropfen von Frostschutzmitteln für Autoscheiben können schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen, die sich unter anderem durch Erbrechen, Durchfall, torkelndem Gang und Krämpfe zeigen. 

Und zu guter Letzt:

Wie Ihr seht, kommt so einiges zusammen, auf was wir achten müssen. Hat sich aber die Routine eingestellt, lässt sich vieles schon mit wenigen Handgriffen in kurzer Zeit erledigen. Euer Hund wird es Euch jedenfalls danken. Denn mit richtiger und aufmerksamer Pflege wird sich die Fellnase guter Gesundheit erfreuen.

Auf eine Sache möchte ich Euch aber trotzdem noch hinweisen – bis jetzt haben wir zwar noch keine eigenen Erfahrungen gesammelt, aber immer wieder von anderen davon gehört: In der Regel regulieren sich die Analdrüsen beim Lösen von selbst. Durch Krankheit, Alter oder auch Überzüchtung kann es sein, dass diese Entleerung nur teilweise oder gar nicht stattfindet. Der Hund zeigt dies deutlich mit dem sogenannten „Schlittenfahren“ und versucht, mit dieser Stimulierung Abhilfe zu schaffen. Falls Ihr dieses Verhalten beobachtet, solltet Ihr einen Tierarzt aufsuchen, bevor eine handfeste Entzündung entsteht und nur noch eine Operation helfen kann. 

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