alltag

Schwer beschäftigt: Wie sich der Feel-Good-Manager im Büro pudelwohl fühlt

8. Mai 2016

Schlagwörter: , , , ,

© Isra Abdou

Mit seinem sonnigen Gemüt ist Niko ein geborener Feel-Good-Manager, der jeden Personaler ganz easy um die Pfote wickeln würde. Und tatsächlich genießt er auch (fast immer) unsere gemeinsamen Bürotage. Tendenziell sind ihm die Freitage am liebsten, aber auch die anderen Tage lassen sich mit kleinen Kraulern, Spielchen und Leckereien zwischendurch ganz erträglich überstehen.

Dass Hunde als Rudeltiere die Nähe zu ihrem Menschen nicht nur genießen, sondern auch brauchen, ist ja kein Geheimnis und war bisher meistens ausschlaggebend für oder gegen einen Hund. Umso schöner, dass immer mehr Unternehmen die vierbeinigen Partner ihrer Mitarbeiter willkommen heißen. Auch meine Agentur hat sich auf das Experiment schon vor einigen Jahren eingelassen und profitiert. Daher wird unsere kleine Mashup-Fellnasen-Crew in wenigen Wochen um ein weiteres Mitglied anwachsen.

Seit knapp 10 Monaten begleitet mich Niko nun regelmäßig auf die Arbeit. Es war nicht immer leicht: Denn genauso wie wir uns einen schönen Platz zum Arbeiten wünschen, haben auch unsere felligen Partner weit mehr Bedürfnisse als eine Decke, ein Schälchen Wasser und ihren Menschen um sich herum.

Alle ziehen an einem Strang

Niemand geht gerne an einen Ort, an dem er sich nicht wohlfühlt. Genauso geht es den Fellnasen. Sie sind besonders sensibel, spüren Disharmonien und Konflikte bereits viel früher und verhalten sich entsprechend angespannt. Eine Situation, die für keinen Hund dauerhaft erträglich ist. Deshalb sollte von vornherein klar sein, dass jedes Team-Mitglied einverstanden ist, bevor ein Hund mitgenommen wird. In unserem Team habe ich großes Glück. Meine Kollegen sind nicht nur äußerst tierlieb und springen gerne auch mal ein. Auch dass zwei meiner Kollegen allergisch auf Tierhaare reagieren, war für uns kein Hindernis. Die einzelnen Teams und Räume sind so aufgeteilt, dass die beiden nicht unbedingt mit den Hunden in Berührung kommen.

Auch hat nicht jeder Kollege Erfahrungen im Umgang mit Hunden und kann Verhaltensweisen nicht richtig interpretieren. Für einen einfachen Einstieg ist es daher hilfreich, seinem Team das neue Mitglied vorzustellen und auf Besonderheiten wie Ängste und Vorlieben einzugehen. Insbesondere Regeln wie „Kein Füttern am Schreibtisch“, „Ignorieren, wenn der Hund zu aufdringlich wird“ oder „Kein Wühlen in fremden Taschen“ sind für die ersten Tage und Wochen wichtig, damit alle an einem Strang ziehen und der Hund seinen Platz in der Gemeinschaft findet.

Aller Anfang ist schwer

Niko ist trotz seiner jugendlichen16 Monate ein eher ruhiger Zeitgenosse. Zwar gibt er in freier Wildbahn mächtig Gas und ist keinem Spielchen mit anderen Hundefreunden abgeneigt, dennoch gönnt er sich das eine oder andere Schläfchen und kann sich gut entspannen. Doch nicht jeder Hund kann sich auf Anhieb in den Büroalltag mit all seinen Regeln und Strukturen einfinden.

Besonders Hunde mit hohem Bewegungsdrang, Kläffer oder kleine Angsthasen können schnell an ihre Grenze stoßen. Fremde Gerüche, neue Kollegen, Kunden- und Lieferantenbesuche, die plötzlich und unverhofft das neue Rudel durcheinander bringen. Die Situation ist vergleichbar mit Schulanfängern, die erst lernen müssen, mehrere Stunden durchzuhalten und sich von den vielen Reizen nicht ablenken zu lassen. Für unsere kleinen Freunde ist es nämlich schwer nachvollziehbar, warum ihr Mensch plötzlich die ganze Zeit an einem Tisch verharrt und nicht wie gewünscht reagiert, wenn Hund schwanzwedelnd und mit Augenaufschlag neben ihm sitzt.

Wie immer kommen hier wieder die Geduld und Ruhe ins Spiel, damit sich die Vierbeiner schrittweise an den neuen Alltag gewöhnen können.

Für Niko war es auch nicht immer einfach. Während des Tages hält er sich oft im Hintergrund und entspannt. Doch was zu Hause ganz wunderbar klappt, muss noch lange nicht im Büro funktionieren. Denn sobald ich das Büro verlasse, sei es für einen Termin außer Haus oder der schnelle Einkauf im Supermarkt, ist er sofort in Alarmbereitschaft. Was sich mal mehr oder weniger stark zeigt. Insbesondere in unseren ersten Wochen hat er sich morgens ordentlich bemerkbar gemacht, sobald ich nur kurz Brötchen holen war. Nach dem Motto „Nicht zu sehen, aber zu hören“, kam mir sein Bellen schon im ersten Hinterhof entgegen. Das haben wir nur durch kontinuierliches Training und Durchhaltevermögen in den Griff bekommen. Heute steht er zwar immer noch an der Tür und ist verlässlicher als  jeder Pförtner, aber wesentlich entspannter. In besonderen Fällen, wenn zum Beispiel längere Meetings anstehen, habe ich immer einen Bestechungsknochen in der Tasche, der nicht nur lecker ist, sondern auch ablenkt.

Safety first

Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Hunde muss der Arbeitsbereich sicher sein. Das geht schon bei den Kabeln und Steckdosen los. Vor einigen Monaten entpuppte sich ein kleines Schläfchen von Niko unter dem Schreibtisch meiner Chefin als Knabberei an ihrem Kopfhörerkabel. Nora musste dann erstmal ein paar Tage ohne Musik auskommen, aber der Pudel hatte Glück: Kein Stromschlag, keine verschluckten Plastikteile. Auch der beruhigende Pflanzenwald und die Küche können schnell zu einer Gefahrenquelle werden. Denn vor Schokoladensplittern, Kaffeebohnen oder interessantem Grünzeug macht der kleine Staubsauger selten halt. Und nicht zu vergessen: die Papierkörbe am Schreibtisch. Sobald sein Kopf in den Eimern verschwindet, um Papier, Brötchentüten oder Taschentücher herauszufischen, weiß ich mit Sicherheit, dem Pudel ist furchtbar langweilig. Dann beginnt seine Jagd nach Aufmerksamkeit. Nicht wirklich optimal für den Hund und die Kollegen. Mittlerweile können die Papierkörbe wieder auf dem Boden stehen und werden nur noch selten durchwühlt. Nichtsdestotrotz hat sich dadurch auch unser Müllverhalten verändert: Wir versuchen nicht nur, unseren Abfall zu reduzieren, auch die für Niko gefährlichen Sachen verschwinden gleich in der richtigen Tonne.

Doch das wichtigste: Was die Straße an interessanten und vermeintlichen Leckereien bietet, findet sich auf unserem Fussboden. Mal ist eine heruntergefallene Büroklammer oder der liegengelassene Kugelschreiber, die schnell das Interesse einer Pudelnase wecken.

Mit Rhythmus durch den Tag

Besonders in der Eingewöhnung gibt ein fester Rhythmus eine gute Orientierung. Bei Niko musste ich ihn relativ schnell einführen. Der kleine Mann war mit seinen anfangs sechs Monate noch nicht zu 100 Prozent stubenrein. Dem Teppich, den Kollegen und Besuchern zu Liebe sind wir alle drei Stunden für eine kurze Runde raus. Auch heute haben wir unsere festen Morgen- und Mittagszeiten, die Niko mit zuverlässiger innerer Uhr einfordert. Die Runde gestalte ich dabei so abwechslungsreich wie möglich und überlege mir meist schon vorher, wohin es uns treibt. Auch das hektische Berlin-Mitte hat für einen kleinen Hund ein bisschen was zu bieten: Ob Weinbergspark, Wasserturm, ein grüner Hof oder wenn es zeitlich passt der Volkspark. Es gibt einiges zu entdecken.

Denn es reicht für den Fiffi nicht aus, ihn mittags nur ins nächste Restaurant oder Café zu schleppen. In der Pause lasse ich ihn ordentlich schnüffeln, spielen und laufen. Eine knappe Stunde reicht dafür völlig aus, um alle seine Geschäfte zu erledigen und sich danach müde dem Nachmittagsschläfchen hinzugeben.

Rudel-Workout

Sobald wir draußen sind, hält Niko Ausschau nach Spielgefährten. Auch jede noch so kurze Begegnung lässt ihn umso fröhlicher werden. Sind mehrere Hunde in einem Büro oder so wie bei mir, in einem Gebäudekomplex, lohnt sich auf jeden Fall ein Test, ob sich die Herrschaften sympathisch genug für kleine Spielpausen sind. Kaffee-, Zigaretten- oder Kopf-frei-Pausen lassen sich wunderbar mit kleinen Tobe-Einheiten verbinden. In fünf oder zehn Minuten-Spielen knüpfen sich nicht nur zarte Hundekumpelschaften. Niko ist danach meistens so positiv ausgepowert, dass er sich selig auf seine Decke rollt.

Schnüffelparkour und Kopfarbeit

Eltern können ein Lied davon singen: Wenn ich mit Niko länger unterwegs bin als nur ums Eck, fängt das Packen der Tasche an: Wasserflasche, Leckerlis, Spielzeug. Was Hund so braucht.

An Nikos Bürotagen greife ich daher schon automatisch zur größeren Tasche, in der nicht nur meine, sondern auch seine Sachen Platz finden. Neben Frühstück kommt immer ein Spielzeug mit. Aber jedes Mal ein anderes. Ist es heute der kleine Ball, wandert morgen das Knotenseil in den Beutel. Auch kleine Kopfspiele für zwischendurch bringen nicht nur ihm Spaß, sondern bringen auch Abwechslung bei uns Schreibtischtätern. Ich habe mir dazu eine Welpen-Spielebox gekauft. Die Tricks und Spiele sind auf einzelnen Karten schrittweise erklärt und passen handlich in jede kleine Tasche. Ideal für unterwegs.

Ein bisschen mehr Anstrengung für die Hundenase fordert ein Schnüffelteppich, der sich ganz leicht selbst basteln lässt. Und das Tolle: Hund muss nicht nur ordentlich sein Köpfchen anstrengen, um geschickt alle versteckten Leckerlis herauszufischen. Der Teppich kann klein zusammengefaltet in jeder Schreibtischschublade verschwinden.

Ein Hund ist für jedes Team eine unglaubliche Bereicherung und Gute-Laune-Garantie. Auch wenn sich Niko zweimal pro Woche bei den Waldhunden austobt, ist es für mich beruhigend, wenn das kleine Fellbündel um mich herum wuselt. Doch auch der Büroalltag hat so manche Herausforderung in sich. Denn Feel-Good-Managen kann für die Vierbeiner ganz schön anstrengend sein und sollte immer mit einer großen Portion Spaß und Auslastung belohnt werden.  

1 likes
Avatar for Inga

Author

Your email address will not be published.