Auf einen Schnüffler mit: Susanne von Die Struppibande

Susanne und ihrer Struppibande folge ich seit unseren Anfängen als pudelwohl.berlin. Vor zwei Jahren haben wir uns dann auch persönlich bei einem Bloggertreffen auf der House of Dogs kennengelernt und waren locker über Social Media in Kontakt. Denn nicht nur die Liebe zu unseren Fellnasen verbindet. Fast zeitgleich haben wir nämlich einen Städtetausch gemacht: Für mich ging aus dem gemütlichen Hamburg Altona in den quirligen Friedrichshain und Susanne packte ihre Koffer in Richtung Hansestadt.

Wie Ihr wisst, dreht sich bei pudelwohl plus 1 ja eigentlich alles um Berliner Hund-Mensch-Teams. Aber im Exil mit waschechter Berliner Schnauze darf Susanne natürlich nicht fehlen! Und aus „Susanne, hast Du Lust auf ein Mini-Interview bei’nem Kaffee?“ ist ein kleiner Warm-up-Marathon geworden (Anm. Redaktion: Susanne ist an jenem Wochenende den Berliner Halbmarathon gelaufen): ein über vierstündiges, anregendes Gespräch mit dreieinhalb Stunden Material geworden.

TooSi und eDgar – die Prinzessin und der Löwchenkavalier, ein eher ungleiches Paar. Wie hat sich Dein Rudel zusammengefunden?

Wir sind die Struppibande und halten zusammen wie Pech und Schwefel, mit allen Ecken und Kanten. Allerdings muss ich Dich gleich mal berichtigen! Wir sind kein Rudel, sondern eine Meute. Ein Rudel besteht ausschließlich aus echten Familienmitgliedern und das sind wir nun mal nicht. Als Meute sind wir ein bunt gemischter Haufen, der gemeinsam durch alle Höhen und Tiefen des Lebens geht.

In unserer Meute machte eDgar den Anfang. Er war ein absoluter Wunschhund und komplettierte damals unsere Kleinfamilie. Mittlerweile ist er 10 und seit fünf Jahren ist TooSi mit an Bord. Bei ihr ist es eine ganz andere Geschichte. Denn eigentlich hatte ich mich auf einen Welpen bei einer Züchterin beworben. Als ich den Wurf das erste Mal besuchte, fiel mir TooSi auf bzw. ich ihr. Sie war damals 9 Monaten alt und niemand interessierte sich wirklich für sie. Sie war klein, dünn und hatte einige verheilte Bissstellen. Ich merkte ihr sofort an, dass sie dort nicht glücklich war, denn auch objektiv und ursachenorientiert arbeitendende Trainer haben ein Herz. Als Omega hoch 3 hatte sie keinen leichten Stand in der Meute. Auch später auf dem Weg nach Hause ging mir die kleine Junghündin nicht aus dem Kopf und mir war klar, dass ich sie dort rausholen möchte. Die Würfel waren also gefallen. Über die Jahre und einen großen Umzug später habe ich zwei tolle Weggefährten gefunden – TooSi als mein absoluter Herzhund und eDgar als fester Anker und Fels in der Brandung.

Beide Fellnasen haben ja ihre ganz speziellen Bedürfnisse. Wie bestimmt das Euren Alltag?

Durch eine Rassedisposition und in Folge des grauen Stars ist eDgar mittlerweile auf seinem linken Auge blind. Das Auge ist auch nicht mehr operabel, da die Linse im Auge gekippt ist. Dennoch müssen wir regelmäßig seinen Augendruck überprüfen. Denn nur solange der Druck in Ordnung ist, kann das Auge erhalten bleiben. Sollte es eines Tages soweit kommen, sehe ich darin gar kein Problem, es entfernen zu lassen, nicht mal ein ästhetisches. Tiere passen sich ja intuitiv an neue Situationen an. Das merke ich auch bei eDgar. Seitdem er auf dem Auge blind ist, läuft er von sich aus auf der rechten Seite und überlässt die Verantwortung auf der linken also komplett mir.

TooSi ist unser Sorgenkind. Schon von Anfang an. Als ich sie nach Hause geholt habe, war noch nicht absehbar, welche gesundheitliche Herausforderungen TooSi in sich trägt. Die kommen jetzt nach und nach zum Vorschein. Richtig angefangen hat es im Spätsommer 2016 mit einer Ohrenentzündung. Mit großer Wahrscheinlichkeit noch viel früher (nach der obligatorisch alle zwei bis drei Jahre durchgeführten Impfung im Frühjahr). Denn bis man die tatsächlich bemerkt, dauert es manchmal eine Weile. Ohrenentzündungen müssen außerdem per se nicht das Resultat von Wasser im Ohr sein, sondern können ein starkes Indiz für Unverträglichkeiten und Allergien sein. Also ließ der Rattenschwanz nicht lange auf sich warten, unter anderem durch diverse Fehldiagnosen und damit verbundenen Fehlbehandlungen durch verschiedene Tierärzte. Alles gipfelte in einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung. Sie musste damals in der Klinik behandelt werden. Zwei Tage später bekam ich sie kränker zurück, als ich sie hingebracht hatte: komplett abgemagert und mit Schnittwunden im Gesicht. Die Klinik ist leider etwas unerfahren in den Bedürfnissen und Ansprüchen von Windhunden. Die Medikamente, die sie dort bekommen hat, sind für Windhunde generell nicht gut geeignet. Außerdem leidet TooSi an verschiedenen Futterunverträglichkeiten, die in der Klinik nicht bis in jedes Detail berücksichtigt wurden. Denn die Trägerstoffe der Medikamente beinhalteten zum größten Teil die Allergene, auf die TooSi reagiert. Was passiert ist, kann sie jeder ausmalen. Hätte ich das vorher gewusst bzw. nicht blind vertraut, wäre TooSi einiges erspart geblieben.

Jetzt sind wir bei einer Klinik, die nicht nur auf Augen, sondern auch auf Haut und Ohren spezialisiert ist. Auch mit unserer Tierärztin arbeiten wir auf Augenhöhe. Denn TooSi verträgt keine Schulmedizin (eDgar ist da härter im Nehmen). Für sie konsultiere ich Heilpraktiker und kann das auch sehr gut mit der Tierärztin besprechen, die meine Entscheidungen absolut respektiert und mich bei der Ursachenforschung unterstützt. Höchstwahrscheinlich leidet TooSi an einer Autoimmunerkrankung. Für die Rasse ist es gar nicht so untypisch. Meistens bleibt diese Erkrankung aber unentdeckt. Denn die im Rennsport aktiven Windhunde fallen einfach auf der Bahn um. Es heißt dann: schwaches Herz oder so ähnlich. TooSi lebt bei mir aber als „normaler“ Hund und daher ist es nicht verwunderlich, dass die Symptome eher hochpoppen.

Welche Veränderungen sind auf Euch zugekommen?

Wir sind echte Stehauf-Männchen und nehmen alle Herausforderungen an. Für alles gibt es irgendeine Lösung – mal mit mehr oder weniger Anlauf. Das wichtigste ist für mich einfach, dass beide Hunde ein schönes Leben haben. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass TooSi sehr alt wird. Salukis können gute 15 Jahre schaffen, da sie eine sehr ursprüngliche Rasse sind. Das ist auch ein Grund für die vielen Futterunverträglichkeiten bei der Rasse. TooSi verträgt zum Beispiel gar kein Getreide, sie darf nicht mal ein Tier fressen, das mit Getreide ernährt wurde. Das schränkt uns ziemlich ein. Sowohl ein Ethascan durch den Heilpraktiker als auch ein spezieller Bluttest, sowie eine streng eingehaltene Ausschlußdiät haben zusätzlich bestätigt, dass sie auf Huhn (Trägerstoff der meisten Impfungen zum Beispiel), Rind, natürlich Getreide, Spinat, Kokos und Glucosamin (in vielen Fertigfuttern und Nahrungsergänzungsmitteln enthalten) reagiert. Auf die letzte Impfung im Frühjahr 2016 (höchstwahrscheinlich der Startschuß für TooSis Leidensgeschichte) reagierte sie extrem. Für mich ganz klar ein Zeichen, sowohl TooSi als auch eDgar gar nicht mehr zu impfen.

Wie gehst Du damit finanziell um?

Durch Verzicht. Um wieder Geld reinzubekommen, habe ich unter anderem diverse Urlaube abgesagt und teure Konzertkarten wieder verkauft. Nicht nur Futter und häufige Tierarztbesuche schlagen ziemlich zu Buche, sondern auch die Nahrungsergänzungsmittel. Allein ein Medikament, die Enzyme für TooSis Bauchspeicheldrüse, kostet in einer 60er Packung über 50 Euro. Davon nimmt sie jeden Tag ein bis zwei Kapseln. Das summiert sich! Auch meine Ursachenforschung geht ziemlich ins Geld. Ich will halt alles genau wissen und gebe mich mit vagen Eventualitäten nicht zufrieden. Regelmäßig lasse ich den Kot untersuchen und Blutbilder erstellen. Primär aber den Kot, denn hier lassen sich schnell mögliche Mangelerscheinungen ablesen. Sind diese nämlich nach einer gewissen Zeit in den Blutwerten erkennbar, ist es oft schon zu spät.

Eine Krankenversicherung für die Hunde habe ich trotz allem bisher nicht – aus Angst vor einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Alle meine Hunde hatten kleinere und größere Wehwehchen, die ich immer irgendwie wuppen konnte. Hunde sind halt Luxus. Das sollte jedem bewusst sein, auch wenn der eigene Kühlschrank dann mal leer bleibt. Um die Ausgaben aus dem vergangenen Jahr halbwegs wieder auszugleichen, gibt es in diesem Jahr nichts Neues – weder für mich, noch für die Hunde oder die Wohnung. Gemeinsam schaffen wir das schon!

Gibt es etwas, was Du anderen Haltern in ähnlichen Situationen empfehlen kannst?

Um Hilfe bitten, fällt mir wirklich schwer – also wenn es um mich geht. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, Hilfe anzunehmen. Es geht ja um das Wohl der Hunde. Andersherum spende ich auch des Öfteren für andere Vierbeiner. Deshalb waren auch Crowdfundingseiten für mich interessant. Allerdings ticken wir in Deutschland ein bisschen anders als in Amerika, wo die Idee ja herkommt. Mir ist dann eingefallen, dass ich als Kind sehr oft Wunschlisten geschrieben habe. Warum sollte ich das nicht auch jetzt funktionieren? Also gibt es nun Wunschlisten (unter anderem auf unserer Facebook Seite, beim Naturfutter Lädchen und auch auf Amazon) mit einer Auswahl für Futter, TooSis Enzyme und andere Sachen. Da kann sich jeder etwas aussuchen und uns unterstützen.

Ansonsten sind natürlich Kostenvoranschläge wichtig, damit es am Ende der Behandlung kein böses Erwachen gibt. Das ist mir zum Glück noch nicht, aber einer lieben Freundin schon passiert. Für einen Notfall war sie mit ihrer Hündin in der Tierklinik Biesdorf. Und am Ende sprengten die Gesamtkosten den Rahmen, den sie im Kopf hatte. Also immer vorher nachfragen! Und auch schriftlich fixieren lassen. Immer!

Verfolgt man Eure Geschichte, kennt man auch die Tierarzt-Odyssee. Wie hast Du die für Eure Bedürfnisse optimale Praxis gefunden?

Du kannst ganz einfach Deinem Hund vertrauen. Geht Dein Hund da gerne hin und fühlt sich trotz der Umstände wohl, ist alles in Ordnung. Du merkst es auch daran, wie es in der Praxis riecht. Angst und Anspannung liegen quasi in der Luft und das spüren die Vierbeiner auch. Da nützt auch das beste Tierarzttraining nichts.

eDgar zum Beispiel beißt ja auch Menschen und findet grundsätzlich erstmal alles doof. Da war früher sogar das Anfassen und Hochheben beim Tierarzt eine Herausforderung. Mittlerweile sind wir ein echt eingespieltes Team, dass sogar das Augendruckmessen ohne den beherzten Zugriff der Tierarzthelferin gut klappt. Ich lasse eDgar die Wahl und er entscheidet sich einfach selbst dazu, ganz still sitzen zu bleiben.

Lässt sich der Tierarzt auch noch in die Karten gucken oder mit sich reden, wenn der kleine Patient nicht auf schulmedizinische Maßnahmen anspricht, ist alles in Ordnung. Da ich neben Hundetrainerin auch Ernährungsberaterin für Hunde auch Hundephysiotherapeutin bin und irgendwann mal ein bisschen Biologie studiert habe, habe ich einen ganz anderen Hintergrund als der Durchschnittspatientenhalter und kann ganz anders argumentieren. Ich tausche mich aber auch viel mit Kollegen aus. Dadurch erschließt sich natürlich ein sehr ergiebiges Netzwerk.

Deine Mission heißt Stressless Dogs. Was würdest Du über das Empfinden von Hunden in unserer heutigen Gesellschaft sagen? Sind die Halter deutlich aufgeklärter und das Leben der Hunde viel angenehmer?

Ganz eindeutiges Ja, auch wenn wir Menschen von den Hunden heute viel zu viel verlangen. Früher war zwar nicht alles besser, aber gefühlt geerdeter, sei es beim Futter, bei der Erziehung und im Miteinander mit anderen Hundehaltern. Mittlerweile gibt es so viele auf die Bedürfnisse des Menschen zurechtgezüchtete Rassen, eine Unmenge an Methoden für die Erziehung als auch persönliche Ansichten zur Haltung. Viele Halter sind heute gut informiert – lesen Bücher, recherchieren im Internet oder tauschen sich in Communities aus. Es genügt aber nicht, nur zu wissen. Du musst es auch anwenden können!

Eigentlich sind Hunde kleine Buddhisten. Sie sind am glücklichsten, wenn sie nichts haben, auf das sie die ganze Zeit aufpassen müssen. Nichtdestotrotz hat jeder Hund seine ganz eigenen Bedürfnisse und auf die muss man eingehen. Jeder sollte seinen eigenen Weg finden.

Womit haben die meisten Halter nach Deinen Einschätzungen zu kämpfen?

Häufig bemerke ich bei meinen Kunden eine große Verunsicherung. Dann ist im Fernsehen wieder eine Sendung gelaufen oder ein Trend wird durch die Hundeblogs gejagt und plötzlich meinen alle: Das muss ich jetzt auch machen. Aber! „Never change a running system“, nur weil auf einmal alle dies und das trainieren oder alle plötzlich ein bestimmtes Futter oder Entspannungsritual empfehlen. Das muss noch lange nicht für den eigenen Hund optimal sein.

Ganz viele Menschen wissen gar nicht, was sie wollen. Sie wissen, was sie nicht wollen (wie nicht an der Leine ziehen oder nicht bellen) – aber was soll der Hund anstatt dessen machen? Großes Schweigen. Wenn Mensch nicht weiß, was er will, woher soll es dann der Hund wissen bzw. wonach der Trainer entscheiden, woran gearbeitet werden soll.

Auch Verantwortung und Durchhaltevermögen sind wichtige Aspekte. Besonders letzteres ist ein Spiegelbild des heutigen Zeitgeistes. Denn warum werden momentan so viele Ausbildungen wie noch nie abgebrochen? Verantwortung ist ein Fingerspitzenthema. Meistens sind ja die anderen Schuld. Auch fehlen heutzutage viele Konstanten im Leben und Werte. Sind diese nicht vorhanden, muss man die sich schaffen. Meine Jugend war relativ regelfrei. Bin ich mit Freunden in die Disko gegangen, gab es von meinen Eltern keinen Zapfenstreich. Diesen musste ich mir hart erkämpfen. Ich mag Regeln, sie regeln das Zusammenleben und machen Wertschätzung erkennbar und messbar. Freiraum ist mir immer noch sehr wichtig, aber nicht ohne Struktur.

Wo siehst Du das größte Potential für Halter, die Beziehung zu ihren Hunden zu verbessern?

Bevor ein neues Familienmitglied einzieht, sollte sich jeder Halter im Klaren sein, ob und wie der Vierbeiner in den eigenen Alltag passt. Keiner sollte sich im Anschluss verbiegen müssen, weder der Halter, der auf einmal jeden Tag kilometerweit rennen muss, um den Hund auszulasten, noch der Hund, der lieber seine Ruhe hätte, aber in einer Großfamilie landet. Idealerweise verändert sich der Alltag gar nicht erst, wenn der Hund angekommen ist, weil sich alles harmonisch zusammenfügt. Hier bestätigt sich wieder: Never change a running system!

Häufig sehe ich, auch bei vielen jungen Leuten, sehr veraltete Erziehungsmethoden, wie auf den Boden drücken oder energisch auf den Rücken drehen. Ich weiß dann immer gar nicht, wie ich damit umgehen soll.

Wenn Du Dich einmischst, hilfst Du in diesem Moment dem Tier, weil der Halter sich auf Dich konzentriert und von seinem Hund ablässt. Bei mir in der Nachbarschaft bin ich vor einiger Zeit in eine ähnliche Situation geraten. Konfliktpotential ist auf jeden Fall vorprogrammiert und Fingerspitzengefühl ist gefragt. Nachhaltig kann ich dem Tier zu Hause nicht helfen. Passieren solche Dinge in der Öffentlichkeit, arten sie mit Sicherheit hinter verschlossener Tür noch stärker aus.

Was sind Deiner Meinung nach die größten Mythen in der Erziehung?

Wir haben gerade wieder einen aktuellen Fall: Kein Hund beißt aus dem Nichts heraus. Auch Leinenpöbler benehmen sich nicht einfach so an der Leine, sondern weil es in diesem Moment die einzige Möglichkeit für sie ist. Die Frage, die sich Halter deswegen immer wieder stellen müssen, ist also, was hat den Hund in diese Reaktion getrieben?

Auch bei der Stubenreinheit sind viele Halbwahrheiten im Umlauf und erzeugen falsche Erwartungshaltungen. Richtig ist, dass Welpen generell nicht ihr eigenes Nest verunreinigen bzw. wenn es doch passiert, ist das Muttertier zur Stelle und kümmert sich. Viele bekommen Panik, wenn ihr Hund mit 14 Wochen noch nicht stubenrein ist. Und da drücke ich gerne auf die Bremse. Erst einmal muss ja der Muskel trainiert werden, so wie bei uns Menschen auch. Hündinnen sind hier anatomisch ein bisschen im Vorteil und sind in der Regel schneller „trocken“ als Rüden. Es bringt also nicht so viel, den kleinen Hund zu schimpfen, ihn mit der Schnauze in sein Pipi zu stucken oder ähnliche überholte Methoden anzuwenden. Daraus lernt der Hund einfach nichts. Gut ist, wenn Mensch seinen Fellfreund beobachtet, genau beobachtet. Dann kann Mensch nämlich ziemlich schnell erkennen ob sich eine Erleichterung anbahnt. Jeder Hund entwickelt da eigene Zeichen, verstärkt werden die, die erfolgreich – in diesem Fall nach draußen führend sind. Hunde sind schlaue Wesen und merken sich solche Muster relativ schnell und zack ist der kleine „sauber“. Aber Obacht! Wir Menschen neigen dazu, mit dem Beobachten aufzuhören, sobald wie unser Ziel -einen stubenreinen Hund – erreicht haben. Der Hund beobachtet weiter, 24/7 und das kann lustige oder auch störende Folgern haben.

eDgar hatte das als Junghund wahnsinnig gut drauf. Während eines Urlaubs durfte er bei meinen Schwiegereltern bleiben. Bis dato war Treppensteigen, wenn auch erst ein paar Monaten alt, überhaupt kein Problem. Darauf hatte er aber dort keine Lust und setzte sich unter lautem Wehklagen auf den ersten Treppenabsatz des Berliner Altbaus. Mit Erfolg. Seine Erziehungsmethode hatte funktioniert und der arme kleine Hund wurde ab sofort getragen. Als wir aus dem Urlaub zurück waren und ihn abholten, lief er wie vorher auch ohne Theater die Treppe hinunter, worauf meine Schwiegermutter völlig erstaunt feststellte: „Oh, der kann ja doch Treppen laufen, ich dachte …..“ Tja, so schnell kann’s gehen.

Was würdest Du Dir wünschen, wenn Menschen sich einen Hund ins Leben holen?

Kurse finde ich prinzipiell ganz gut. Aber die Anzahl von Methoden und Ansichten ist ziemlich groß. Die Arbeit mit einem Lebewesen ist eben ein bisschen mehr, als „nur“ den Führerschein zu machen. Hauptsache Hund und Mensch sind glücklich miteinander. Ich bin zwar ein Freund von Regeln. Dennoch können noch mehr Regeln die Dinge zu sehr verkomplizieren. Ich würde mir wünschen, dass sowohl in der Schule als auch im Elternhaus die Bildung verstärkt und zusätzlich auf emotionale Intelligenz gesetzt wird: Wie gehe ich zum Beispiel mit einer Raupe um? Zerdrücken, Drauftreten oder beobachten wie ein Schmetterling daraus wird? Was bedeutet es für mich die Verantwortung für das Lebewesen zu tragen, das ich mir in meinen Alltag hole. Wenn Menschen nicht miteinander klarkommen, wie sollen sie dann mit anderen Lebewesen zurechtkommen? Inzwischen ist es ja schwieriger einen Hund zu kaufen bzw. zu adoptieren, als ein Haus zu kaufen. Du musst alles offenlegen. Aber wer trifft die sichere Entscheidung, ob es passt oder nicht? Ich habe zum Beispiel eine ältere Nachbarin. Sie ist weit über 80 und mit ihr lebt ein neunjähriger Dackel. Dieser läuft oft an der Leine, im Rollatortempo. War es falsch, ihr den Welpen zu verkaufen? Schließlich war sie auch schon damals weit über 70 und alleinstehend. Dem Hund geht es super. Bis auf ein paar schlechte Zähne ist er topfit und macht auf mich einen glücklichen Eindruck. Also gebe ich die Frage gern zurück, was ist denn entscheidend für ein harmonisches Hund-Mensch-Team?

Wo fängt für Dich die Verantwortung für den vierbeinigen Lebenspartner an? Was sollte (potentiellen) Haltern klar sein?

Verantwortung setzt sich in meiner Welt aus Rücksicht, Umsicht und Weitsicht zusammen. Es gibt Halter, die schon weit im Vorwege das gesamte Gelände nach potentiellen Gefahrenquellen abscannen. Anderen wiederum ist vieles ziemlich egal. Nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ wird sich weggedreht oder eine Laissez-faire-Haltung an den Tag gelegt, die weder für den Hund noch für sein Umfeld gesund ist. Die Crux sehe ich zum Teil in den vielen Reizüberflutungen an Tipps, neuen Gadgets oder Methoden, die über die Halter heute einprasseln. Für sich da den eigenen und richtigen Weg zu finden, kann mitunter schwierig sein.

Die Arbeit als Coach mit einem Hund-Mensch-Team fängt ja immer auch beim Halter an. Hast Du einen Tipp, wie Halter im Training nicht immer wieder selbst in alte Muster fallen bzw. ihren Schweinehund besiegen können?

In meiner Arbeit als Coach habe ich schon einige Male erlebt, dass während des Trainings klar herauskam: Früher war alles besser. Mein einziger Tipp: Macht es doch einfach wieder so, anstatt unnötig rumzudoktern und womöglich zu verschlimmbessern. Hund und Mensch wollen ja glücklich zusammenleben und dafür gibt es kein Allgemeinrezept.

Im Training ist die größte Challenge tatsächlich das Durchhalten und auch bei kleineren Rückschritten das Positive am Ende zu sehen. Und so lange muss man die Zähne zusammenbeißen. Steter Tropfen höhlt den Stein, wie meine Mutter früher immer sagte. Hier kommt auch wieder Bildung ins Spiel. Wenn ich als Halter weiß, was passiert, wenn ich die Dinge so oder so mache bzw. was am Ende dabei raus kommt. Meinen Kunden erzähle ich dann gerne meine Autobahn-Geschichte: Alle wollen nämlich gleich Fahrspaß pur, und zwar auf der Autobahn. Doch vorher muss man als Fahrer sein Auto kennen, wissen wie es funktioniert und wie es in bestimmten Situationen reagiert. Alles andere wäre verantwortungslos. Also geht’s erstmal auf den Parkplatz, Motorhaube auf, Zündschlüssel umdrehen und vielleicht ein paar Meter vorwärts fahren. Und dann in der zweiten Stunde: Autobahn? (weil ja alles so gut lief.) Nein! Wir fahren langsam auf die Frankfurter Allee – Doppelstunde eine Stunde stopp-and-go stadtauswärts, eine Stunde stadteinwärts und gleich im Anschluß mal eben im Feierabendverkehr Einparken üben in der Kopernikusstrasse. Und dann? Autobahn? Nein! Immer noch nicht! Bis dahin ist es noch ein Weg, und zwar auch mit Belastungs- und Nachtfahrt. Nur mit Geduld lassen sich Ziele nachhaltig erreichen. Schnelle Erfolge bringen keinen weiter. Sie verfälschen nur das Bild und lassen uns Menschen übermütig werden.

Vielen Dank, liebe Susanne. In unserem Gespräch hatte ich so einige Aha-Momente. Wer neugierig ist und mehr aus dem Alltag von TooSi und eDgar wissen möchte, kann bei dem Dreiergespann auf Facebook und Instagram vorbeischauen oder für ganz persönliche Fragen und Anliegen Susanne über Stressless Dogs kontaktieren.

Alle Fotos: © Stressless Dogs / Die Struppibande | Titelfoto: Catherine Gericke Photograhie

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