When I follow my dog I get to see these fantastic places where dog life can blossom.

Balsam für die Seele – Alltagshelfer auf vier Pfoten

Was ich vor genau zwei Jahren in Warum Hunde manchmal die besseren Life Coaches sind meine Gedanken aufgeschrieben habe, sind diese heute aktueller denn je. Die vergangenen Monate waren wir uns alle nicht einfach. Am ersten Tag des Lockdowns verstarb überraschenderweise mein Vater im Krankenhaus. Mich von ihm zu verabschieden, war aufgrund der getroffenen Präventionsmaßnahmen leider nicht möglich. Und auch die Beerdigung fühlte sich mit den strengen Bestimmungen irgendwie unwirklich an. Inzwischen wurde mein Sofa zum Headquarter; Facetime und Social Media so normal wie meine Samstags-Café-Routine. Tatsächlich fielen mir die Einschränkungen anfangs gar nicht so schwer. Denn trotzt der vielen Unsicherheiten ist mein bester Freund quasi immer an meiner Seite. 

So ganz spurlos geht der Lockdown nicht an uns vorbei.

Schwer vorhersehbare Zeiten fühlen sich mit einem kleinen Kumpel an der Seite weniger herausfordernd an. Sobald sich Niko neben mir einrollt und zufrieden schnauft, erfüllt mich eine gemütliche Ruhe, die mir auch bei sorgenvollen Gedanken zeigt, worauf es wirklich ankommt. Und durch die Hunderunden hat sich unser Tagesablauf eigentlich kaum verändert. 

Was aber auf unseren Spaziergängen durch den Kiez auffällt: Anscheinend immer mehr Hunde schnuppern Berliner Luft. Mehr oder weniger spontan, um abzulenken, das Gefühl von Einsamkeit zu lindern. Dass Viele momentan den Tag zu Hause verbringen, begünstigt den Trend zum vierbeinigen Familienzuwachs. 

Vierbeiner sind für uns wichtige Sozialpartner. Sie gehören einfach zum Leben dazu.

Ein Bedürfnis, das mir Anschein schon in die Wiege gelegt wurde: Kurz vorm Jahreswechsel habe ich durch Zufall einen Teil meiner Familie wiedergefunden. Plötzlich erwachten wieder viele Erinnerungen, im Familienchat wurden alte Fotos ausgetauscht. Und siehe da bin ich häufig in Gesellschaft mit Tieren zu sehen: unsere Pudeldame Bibi, Erpel Heini oder Bobbie, ein Kaninchen aus der Zucht meines Opas. Einige Jahre später bringt nun Niko ordentlich Leben in die Bude. Und ehrlich gesagt, würde ich mir leer vorkommen, wenn sich um mich herum nichts bewegt.

45 Prozent aller deutschen Haushalte haben ein Heimtier. (Quelle: Industrieverband Heimtierbedarf, Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe)

Vor allem Katzen und Hunde stehen hoch oben auf der Beliebtheitsskala. Doch sind sie damit auch zeitgleich Partner- oder Kinderersatz? Schaue ich mir das Zusammenleben mit Niko an, kann ich das total verneinen. Niko nimmt in meinem Leben einen hohen Stellenwert ein, allerdings einen anderen als bei menschlichen Wesen. Er ist absolut kein Partnerersatz, sondern eine andere Form der Partnerschaft, die mit einem Tier eingegangen wird.

Die Beziehung zu einem Tier unterscheidet sich vor allem in einem Punkt von der zwischen Menschen: Sie ist einfach unkomplizierter. Das Zusammenleben von Mensch und Tier hat sich In den vergangenen Jahrhunderten stark verändert. Interessant: Es gibt keine menschliche Gesellschaft, die ohne Tiere lebt. Mensch und Vierbeiner waren schon immer aufeinander angewiesen. Heute beruht diese Bindung vor allem auf Gefühlen.

Von der Zweckbeziehung zum Kumpanen

Meistens sind wir im Doppelpack unterwegs und mit seinem sonnigen Gemüt ist Niko eine sehr gern gesehene Begleitung. Mit ihm im Schlepptau lockert sich automatisch die Stimmung und mit beziehungsweise durch ihn konnte ich eine Menge neuer Menschen kennenlernen. Diese positiven Effekte werden gern in tiergestützten Therapien genutzt. Ein Hund steigert fühlbar das Vertrauen der Klienten in ihren Sitzungen. Experimente und Untersuchungen zeigen, wie sich der Umgang mit Tieren sehr positiv auf Depressionen, Angst und Schmerzen auswirkt. Allein ihre Anwesenheit wirkt auf uns beruhigend, wie unter anderem eine Studie aus dem Fachmagazin Stress and Health aufzeigt. Auch körperliche Reaktionen auf Stress fallen mäßiger aus: So sinkt neben dem Blutdruck ebenso der Gehalt des Stresshormons Kortisol im Blut. Wie das sein kann? Kraulen oder anderer direkter Körperkontakt lassen den Spiegel des Wohlfühlhormons Oxytocin steigen. Unsere Vierbeiner stillen damit unseren „Skin Hunger“, also das Bedürfnis nach Hautkontakt mit anderen lebenden Wesen. 

Wer mit Tieren lebt, lebt generell gesünder! Zu dieser Erkenntnis gelangt eine schwedische Studie aus dem Fachmagazin Scientific Reports. Demnach fühlen sich Tierhalter*innen sozial unterstützt und sind wesentlich stärker motiviert, körperlich aktiv zu sein. Vor allem Alleinlebende profitieren davon; sie leiden deutlich seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Schlüssel für Wohlbefinden liegt also unter anderem in der Bindung zu unserem „Kumpantier“. Bindung ist die erste Phase der natürlichen Entwicklung jeder wichtigen Beziehung, die wir in unserem Leben eingehen.

Haustiere geben uns die emotionale Sicherheit, die wir für ein selbstbewusstes Handeln brauchen.

Zwei interessante Studien über die Bedeutung von Bindung zu einem Haustier auf das menschliche Leben haben führende Bindungsforscher der California-State-Universität und des Israelischen-Interdisciplinary Centers vorgelegt: Diejenigen Proband*innen mit einem engen Verhältnis zu ihrem Tier, die es bei sich hatten oder auch nur an es dachten, gaben mehr persönliche Ziele an und äußerten größere Zuversicht, diese zu erreichen. Außerdem beschrieben sie ihre Pläne und Erwartungen sehr detailliert, weil ihr Tier ihnen eine sichere Basis gab.

Durch die ehrliche Zuneigung und tiefe Loyalität unserer Tiere bekommen wir einen Raum, uns in den Höhen und Tiefen der Bindung zu üben. Wir sind offener anderen gegenüber, lieben intensiver, gehen souveräner mit Verlusten und Trauer um, lassen neue Beziehungen zu, die uns Freude bereiten, und verschenken ohne Bedenken unser Herz neu. Und ja – mit Niko bleibe ich sogar jetzt zuversichtlich und entdecke viele Chancen. 

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Und nach Corona?

Wenn ich den Berichten aus den Tierheimen und Tierschutz-Organisationen Glauben darf, ist die Nachfrage nach Vierbeiner enorm gestiegen und sogar für Tiere mit schlechten Vermittlungsprognosen scheint ein herzliches Zuhause zum Greifen nah. Doch was bleibt den neuen treuen Freunden und Seelentröstern, wenn wir langsam wieder in die gewohnte Welt zurückkehren? Mit dem Einzug eines Haustieres stellen sich auch Verpflichtungen ein – Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Ob ein Tier tatsächlich auf Lebenszeit in das eigene Leben passt, sollte daher vorher gut überlegt sein. Denn unsere vierbeinigen Freunde sollten sich auch auf uns bedingungslos verlassen können!

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