#happygotchaday – 5 Jahre, 5 Geschichten

Wieder ein Jahr vorbei, bereits das fünfte. Ich kann es kaum glauben. Vor fünf Jahren holte ich dieses kleine Fellknäuel in ein neues Leben, mein Leben. Wir haben beide viel gelernt, sind über uns herausgewachsen und zu einem echten Team zusammengewachsen. Niko hat meinen Blick neu gelenkt, unbekannte Türen aufgemacht und mich bei mir ankommen lassen. Das macht ihn zu einem sehr wertvollen Part meines Lebens. Und zur Feier des Tages gehts bei dieser Sommerhitze nicht nur gleich an den See, sondern wir werfen auch einen Blick zurück – fünf Jahre, fünf Geschichten:

Schlaflos auf Rügen

Vergangenes Jahr – an einem spätsommerlichen Donnerstag – war es endlich soweit – ein verlängertes Wochenende auf Rügen. Schon seit Wochen war ich voller Vorfreude und konnte kaum abwarten, Nikos erstes Mal am Strand zu beobachten, den Wellen zu lauschen und diese salzige Meeresluft einzuatmen. Gebucht hatte ich gemeinsam mit einer Freundin. Ein kleines Appartement in relativer Strandnähe und hundefreundlich. Das Pfeifen des Rasenden Roland hinter uns lassend erreichten wir spät am Abend unser Wochenend-Zuhause. Gemütlich ließen wir den restlichen Abend bei leckerem Ofengemüse und einem Glas Wein ausklingen. Ich hatte es mir längst auf dem weichen Boxspringbett bequem gemacht. Und auch Niko testete das Bett schon mal vor dem Zapfenstreich aus. Und ja. Er schaffte es allein aufs Bett. Ich habe es genau gesehen. Die Reise, die Seeluft und das wirklich schlechte TV-Programm machten müde und ich schlummerte relativ schnell ein. Ich habe ja grundsätzlich einen guten Schlaf, daher weiß ich nur vom Hören-Sagen, was sich in den kommenden Nächten abspielte.

Tapp, tapp, tapp … kleine Vorderpfoten an der Matratzenkante … tapp tapp tapp … ein Anlauf? …. ein kleines Schnaufen ins Gesicht …. tapp tapp tapp. Und gleich nochmal von vorn.

Das etwas höhere Bett und der Laminatboden wurden für den Pudel zu einer schier unüberwindbaren Hürde. Während ich tief und fest schlief, nahm sich meine schlaflose Freundin dieser ausweglosen Situation an und hievte Niko wieder und wieder ins Bett. Nachts wandert Niko ganz gerne und so ging es runter und hoch und wieder runter und dann wieder hoch. Während ich am nächsten Morgen gut ausgeschlafen mit Niko meine erste Strandrunde drehte, holte meine Freundin erst einmal den Schlaf nach. Nach dem Frühstück bauten wir das Appartement um. Aus unserem Gepäck entstand eine kleine Rampe bis aufs Bett. Mehrmals gezeigt und geübt ging das Spiel in der kommenden Nacht allerdings genauso weiter wie zuvor. Am darauffolgenden Tag probierten wir es mit einem kleinen Hocker. Ohne Erfolg. Schließlich rückte das kleine Sofa direkt ans Bett, damit Niko vom Sofa über die Armlehne direkt ins Bett klettern kann. Eigentlich total einfach und absolut sicher. Zwischendurch zeigte er uns auch wieder, dass er sehr gut mit Anlauf allein aufs Bett springen kann. Aber scheinbar hatte es ihm der persönliche Hebeservice so sehr angetan, dass er bis zu unserer Abreise darauf bestanden hat.

Ein Gentleman schweigt … und handelt

Niko ist ein sehr offener und freundlicher Hund. Haben wir Hundebesuch bei uns zu Hause, wird ganz selbstverständlich Körbchen, Spielzeug und meine Aufmerksamkeit geteilt. Ich habe schon häufiger beobachtet, dass er sich selbst ein bisschen zurücknimmt und den vierbeinigen Gästen das Feld im Großen und Ganzen überlässt. Im vergangenen Jahr hatten wir einige Male auch seine damalige Bürokollegin Zelda zu Gast. Unsere erste gemeinsame Nacht war relativ unruhig. Sie war das erste Mal bei uns zu Hause und fühlte sich entsprechend fremd. Jedes kleinste Geräusch aus dem Treppenhaus wurde mit einem Knurren oder leichtem Bellen beantwortet. Und sie bestand auf sehr engem Körperkontakt. Obwohl eine Nummer kleiner als Niko blieb für diesen irgendwie kein Platz und er verzog sich ans Fußende oder auf sein Hundebett. 1:0 für Zelda. Eine Revanche gab es allerdings bereits beim nächsten Übernachtungsbesuch. Wie einer klassischer Igel-Hase-Lauf war Niko irgendwie immer schon vorher da. Beim Homeoffice auf dem Sofa, beim Zubettgehen – Niko lag auf seinen Stammplätzen und bewegte sich keinen Zentimeter, Zelda gab auf  und verzog sich grummelnd ans Fußende.

Ab in den Baumarkt

Was für die einen der Besuch im KaDeWe ist – ein luxuriöser Kaufrausch mit anschließendem Schlemmerstopp in der sechsten Etage – ist für Niko der Besuch im Kiez-Baumarkt. Sobald wir nur in die Nähe kommen, wird die Hundenase magisch angezogen. Die Aufregung steigert sich mit jedem Schritt, je näher wir der Eingangstür kommen. Es besteht absolut kein Zweifel, Niko liebt es, in den Baumarkt zu gehen. Damit scheint er jenem typischen menschlichen Genderklischee zu entsprechen. Aber es geht ihm weniger um die Maschinen, den Holzzuschnitt oder – wie für mich – die Pflanzenabteilung. Sein eigentliches Interesse endet gleich direkt hinter der automatischen Schiebetür. Denn gleich hier steht sein heiliger Gral (aka Napf) gefüllt mit Leckerlis, die es ein paar Regale weiter hinten zu kaufen gibt. Scheinbar ausgehungert schiebt sich Niko vorbei am Sicherheitspersonal und bleibt mit seiner Schnauze minutenlang im Napf hängen. Damit es auch bei einem kleinen Snack-to-go bleibt, reicht meistens kein Bitten oder Drängen, sondern schlichtweg ein sanftes, aber bestimmtes Weiterschieben. Ist der Napf tatsächlich mal leer, lässt sich die Enttäuschung sogar in seinem Gesicht ablesen. Zwei-, dreimal wird sich vergewissert, dass wirklich nichts drin oder sich in der Schale irgendwo noch ein Krümelchen versteckt. Der Besuch ist für ihn dann damit auch beendet und wir können draußen weiter ums Eck ziehen.

Auf Vortragsreise nach Passau

Hund und Job unter einen Hut zu bringen, war von Anfang an eine der Prämissen für die Adoption von Niko. Ein paar Monate später flatterte eine Anfrage der Uni Passau bei uns in die Agentur. Eine Studentenvereinigung war auf der Suche nach Referenten für ihre kommenden Karrieretage. Im Grunde genommen war ich sofort interessiert, allerdings war die Anfrage so kurzfristig, dass ich meine Teilnahme an eine Bedingung knüpfte: nicht ohne den Pudel. Denn so auf die Schnelle eine Betreuung zu finden, die ich gut kenne und die dann auch noch Zeit hat, war nicht möglich. Die Zugverbindung und auch das Hotel wurden pudelfreundlich gebucht und schon ging es los. Unser erster gemeinsamer Businesstrip.

Die Stadt empfing uns mit einem Hochwasser. Das Hotel war nur über den Hintereingang zugänglich und Teile der Innenstadt für den Verkehr gesperrt. Eingecheckt im Hotel mussten wir uns dennoch die Beine vertreten. Passau hatte auf einmal etwas von Venedig. Niko war von dem leichten Wellenspiel mitten auf der Straße mehr als fasziniert. Neugierig vor, Nase ins Wasser und verdutzt zurück, sobald eine kleine Welle ihn am mittlerweile nassen Bauch kitzelte. Vergessen waren die doch relativ lange Zugfahrt und der durcheinander gewirbelte Tagesablauf. So entspannt dieser Abend endete, desto mehr Überraschungen hielt der nächste Tag bereit. Das Hochwasser war weiter gestiegen und so genoß ich von der Lobby den einmaligen Ausblick auf den überspülten Uferlauf. Mein Vortrag war für die Mittagszeit geplant. Die frühen Morgenstunden verbrachte ich damit, die letzten Folien durchzusprechen. Und dann ging es aus auf eine ausgiebige Hunderunde – für den Kopf, gegen das Lampenfieber und zum Durchatmen. Zurück auf dem Campus bekam Niko gleich eine Art VIP-Status; denn Hunde waren hier eigentlich nicht erlaubt, schon gar nicht in den Unigebäuden. Für diesen besonderen Moment bekamen wir eine Ausnahme und Niko wurde mein Co-Pilot im Hörsaal. Der Vortrag wurde aufgrund der vielen Anmeldungen in den größeren Audimax verlegt. Meine Nervosität stieg. Doch von Niko, der sich am Rande von ein paar Händen genüßlich kraulen ließ, strömte eine unglaubliche Ruhe aus. Und der Vortrag machte auf einmal richtig Spaß. Ob ich einen solchen Kurztrip mit Hund nochmal machen würde? Das kann ich nicht wirklich abschätzen. Denn Zugfahrt, ein fremdes Bett, die Vielzahl unbekannter Gesichter und die Kürze der Zeit waren zwar eine willkommene Abwechslung, doch auch etwas kräftezehrend.

Zwei wie Pech und Schwefel

Ein kleines Nebenprojekt führt mich regelmäßig in die Uckermark. Inmitten eines großzügigen Landguts entziehe ich mich für den Moment dem Großstadttrubel und lasse mich zwischen wilden Kletterrosen, Stachelbeerbüschen und Apfelbäumen einfach fallen und genieße die Langsamkeit der Zeit. Ab und zu galoppiert der Pudel an mir vorbei und kann sich zwischen absoluter Glückseligkeit über dieses schöne Fleckchen Erde und der anwesenden Hundegang nicht entscheiden. Einer hatte es ihm ganz besonders angetan – ein Dackel namens Pucho.

Wo der eine war, war der andere nicht weit. Ein ungleiches Paar, das für so einige Schmunzler sorgte. Wie zum Beispiel an einem verregneten Nachmittag zu Ostern: Das nächste Meeting war erst für 16.00 Uhr angesetzt. Mit dem einsetzenden Nieselregel wollte ich die freie Zeit für etwas Gemütlichkeit nutzen. Mit Niko zog ich mich auf mein Zimmer zurück. Im Hintergrund ließ ich einen Film laufen und kraulte Niko. Leise drang ein Bellen durch den Film. Das passte aber keineswegs zur Handlung. Also stand ich auf und schaute draußen nach. Und siehe da – Pucho schaute mich durch die große Glastür an und verlangte lautstark nach Einlass. Schnurstracks lief er ins Zimmer. Sofort brach ein wildes Toben aus, denn immerhin hatten Niko und er sich seit bestimmt 30 Minuten nicht mehr gesehen. Den Plan meines Nachmittagsschläfchens hatte ich noch nicht aufgegeben. Die beiden konnten sich aber nicht wirklich einigen, wer sich nun wo einrollt. Ich drehte mich irgendwann zur Seite und versuchte, mich auf den Film zu konzentrieren. Und siehe da – auf einmal wurde es ganz still. Mit dem Dackel im Rücken und Niko in meiner Kniekehle konnten wir nun endlich entspannen.

*

In den vergangenen fünf Jahren haben wir gemeinsam viel erlebt und diese kurzen Geschichten sind nur ein Bruchteil der vielen kleinen und großen Begebenheiten unseres Alltags.

Happy Jahrestag, kleiner Freund! Schön, dass Du da bist!

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