Partner in Crime und Lieblingskollege: 5 Jahre Bürohund – 5 Erfahrungen

Allerbester Kollege, Schlechte-Laune-Vertreiber, Ausreden-Inspiration und Kunden-um-die-Pfote-Wickler Nr. 1 – In einigen Wochen feiert der Pudel sein kleines Büro-Jubiläum: 5 Jahre als Feel Good Manager und nicht zu unterschätzender Mentor die Leiter der Herzen unentwegt noch oben geklettert. Mit seinen knapp sechs Monaten musste Niko damals einen echten Kaltstart hinlegen. Hopp oder topp – hat er mit seinem Charme und guten Instinkt eine echte Glanzleistung hingelegt. Ein neues Zuhause, eine fremde Stadt mit vielen unheimlichen Geräuschen, unbekannte Gesichter und Räume und vor allem eine Menge Regeln. Rückblickend bin ich noch immer sehr beeindruckt, wie schnell sich dieser kleine Pudel an dieses neue Leben angepasst hat.

Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht wirklich bewusst, welche Dynamik in der Frage “Hund im Büro – ja oder nein?” steckt. Vielleicht liegt es an meiner Hundeblog-Blase oder generell am Berliner Lifestyle – aber das Thema Bürohund scheint momentan omnipräsent. Ob in den Medien, im Internet oder in meinen Social Feeds. Sogar ein spezieller “Feiertag” für Bürohunde hat es in die Kalender geschafft und Unternehmen können sich über Audits und Workshops als “Bürohund-tauglich” zertifizieren lassen. Wahnsinn, welche Entwicklung in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Fünf interessante Beobachtungen möchte ich hier teilen:

Unterschiedliche Lebenswelten

Der potenzielle Kollege Hund erhitzt tatsächlich immer wieder die Gemüter. Oftmals wird mit Allergien und Ängsten der Kollegen argumentiert, die zu einer unüberwindbaren Barriere werden. Eine Situation, der auch ich mich in der Vergangenheit stellen musste. Denn plötzlich wurde eine neue Kollegin mit diversen Allergien eingestellt. Ab diesem Moment waren für Niko die anderen Räumen mit Ausnahme meines eigenen Büros tabu. An den Teamaktivitäten durfte er auch nicht mehr teilnehmen. Ein Umstand, der schließlich auch mich vom Team immer mehr isolierte. Zum Glück bisher nur ein Einzelfall. Zu meiner Überraschung stellte ich allerdings fest, dass eher die fehlende Toleranz von unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsrealitäten ziemlich schwer wiegt. Vor ein paar Monat fand ich mich plötzlich in einem Gespräch in einem Gemeinschaftsbüro wieder, das vieles klarer werden ließ. Es ging um die vermeintliche Gleichstellung von Mensch und Tier. Mein Gegenüber konnte es nicht verstehen, warum Menschen von ihren Tieren unter anderem Fotos zu Hause haben oder sie permanent (und in der Stadt) bei sich haben müssen. Ein Hund gehöre in das private Leben und hätte nichts in meiner beruflichen Lebenszeit zu suchen. Denn schließlich bringe man seine Kinder oder eben auch andere Tiere nicht mit an den Arbeitsplatz. Ein Vergleich, der für mich deutlich hinkt. Hier prallten sehr deutlich zwei völlig unterschiedliche Lebenseinstellungen aufeinander.

Kein Trend, Maskottchen oder Feel Good-Garant

Sprechen wir von Bürohunden, fällt meistens irgendwo auch New Work. Die Arbeitswelt verändert sich und natürlich habe auch ich eine andere Vorstellung, wie ich arbeiten möchte als mein Vater vor 30 Jahren. Wünsche und Werte haben sich über die Generationen einfach neu definiert und in Konzepten wie Remote Work, Homeoffice oder Sabbatical eine Richtung gefunden. Hier wird auch der Kollege Hund gern in einen Topf geworfen. Es ist ja schließlich nach nachgewiesen, welche positiven Effekte die Anwesenheit eines Vierbeiners auf das Wohlbefinden und letztlich auch in der Produktivität des Mitarbeiters hat. Niko steht da stellvertretend für seine Artgenossen. Lustige Locken auf überschaubarer Größe kombiniert mit einem unaufdringlichen Charme haben bisher jedes Eis zum Schmelzen gebracht. Dennoch sollte der vierbeinige Kollege nicht als Feel Good-Faktor oder Mittel zur betrieblichen Gesundheitsprävention gehandelt werden, sondern als Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, auf die die Bürosituation abgestimmt sein muss. Also ausreichend Platz und Ruhe mit einem verständnisvollen Umfeld, wenn mal gebellt wird oder ein Malheur passiert. Für mich persönlich ist Niko kein Teil eines Trend, sondern eine ganz bewusste Lebensentscheidung.

Über den Tellerrand

Spontane Kundentermine oder das Team-Event im Spreewald – nicht überall kann mich Niko begleiten. Termine im Voraus denken und entsprechend zu planen habe ich über die vergangenen Jahre fast bis zur Perfektion ausgebildet. Anfangs durfte Niko nur in Teilzeit mit ins Büro. Dog Sitting und HuTa mussten also team-fair in im Kalender integriert werden, Abholzeiten versus Kundentermine und Deadlines inklusive. Das brachte mich in den ersten drei Monaten oftmals ziemlich an die Grenzen und ließ mich zweifeln. Vertrauen sei Dank und einem wirklich liebevollen Netzwerk konnte ich mich bald wieder auf meine eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Doch nur an Termin zu denken, wäre ein bisschen langweilig! Auch Nikos Haarlingsbefall hatte natürlich Auswirkungen auf den Büroalltag. Die Parasiten waren für meine Kollegen völlig unbedenklich. Doch nicht für seine pudelige Bürokollegin. Das geteilte Körbchen war erst einmal tabu und eine kurzzeitige Quarantäne durch Homeoffice logische Konsequenz. Und auch die Biologie sollte nicht vergessen werden: Pudelbabies sind zwar unglaublich niedlich. Riskieren wollten wir trotzdem nichts. Gleich drei Mal erprobte die Läufigkeit unser Orga-Talent.

Vermieter als unsichtbare Hürde

Dass ein Nein zum Hund aus einer ganz anderen Ecke kommen kann, hatte ich bis vergangenen Sommer gar nicht im Blick. Wohnungssuche mit Hund kann sich jeder vorstellen. Hund-Mensch-Teams haben es auf dem Markt nicht einfach. Passen zwar alle relevanten Voraussetzungen für den Zuschlag zum Traumzuhause, katapultieren Hund oder Katze die Bewerbung mitunter schnell ins Aus. Dass sich diese Geduldsprobe oder Suche nach dem Glück ebenso auf dem Gewerbeflächenmarkt wiederfindet, war mir gar nicht bewusst. Sogar große Vermietungsgesellschaften machen hier kaum eine Ausnahme. Der Wunsch nach einem größeren Büro entpuppte sich zu einem Mini-Marathon. So etliche schöne Flächen mussten wieder zur Seite gelegt werden, weil Hunde nicht erwünscht waren. Dass also ein Hund nicht mit ins Büro darf, kann durchaus auch den Grund haben, dass Vierbeiner per se im Mietvertrag ausgeschlossen oder etwa in ihrer Anzahl begrenzt sind. Dann hat der Arbeitgeber selbst bei aller Tierliebe und Sympathie für den Mitarbeiter relativ wenig Spielraum.

Echte Chance fürs Teaming

Teams mit Hunden können einfach besser. Zu diesem Schluß kommen regelmäßig Untersuchungen. Ein intensiverer Austausch, ein besseres Miteinander und eine tiefere Verbundenheit.

Gruppen mit Hunden hatten dabei ein höheres Maß an zwischenmenschlicher Interaktion und, wie sie sagten, mehr Zufriedenheit im Team. Der dadurch entstandene Zusammenhalt in der Gruppe erklärt sich darin, dass jedes einzelne Mitglied einen stärkeren Bezug zu einem Hund aufbauen kann als zu einem menschlichen Kollegen. Allerdings kann jeder der Kollegen einen Bezug zum Hund aufbauen, der wiederum die Menschen miteinander verbindet.

Für unser eBook “Mein Kollege mit der kalten Schnauze” sprachen wir vor gut zwei Jahren auch mit einer Berliner Agentur, bei der sogar bis zu acht Hunde ihren Platz im Team gefunden haben. Ein Paradies für kreative Hundefreunde quasi. Neben dem täglichen Miteinander punkteten die Hunde ganz unerwartet bei einem größeren Onboarding-Prozess. Mit dem Gewinn eines größeren Kunden wurde ein komplett neues Team eingestellt. Wachstumsschmerzen waren also vorprogrammiert. Doch statt eines holprigen Starts übernahmen die Hunde einfach Regie und in gefühlter Blitzgeschwindigkeit wurde sich für gemeinsame Hunderunden oder gegenseitiges Dog Sitting verabredet.
Auch meine Erfahrungen gehen in die gleichen Richtung. Lassen sich alle aus der Gruppe auf Mensch und Hund ein, kann sich ein starkes Teamgefühl entwickeln. Passiert zum Beispiel ein kleines Missgeschick, wird es eben weggemacht, ganz egal von welchem Hund es verursacht wurde. Bin ich terminlich eingebunden und die Mittagsrunde droht auf Minimum zusammenzuschrumpfen, geht Niko einfach mit jedem anderem mit.

Unterm Strich …

… kann ich mir einen Arbeitsalltag ohne Niko an meiner Seite nicht mehr vorstellen. Er gehört eben zu mir und ist ein zuverlässiger Kompass für meine persönliche Work-Life-Balance. Auch Niko ist seinem “Arbeitsalltag” angekommen – so  empfinde ich es zumindest. Doch nicht jeder Hund fühlt sich im Büro auch automatisch wohl. Vielleicht ist es die Rasse, das Alter oder eben auch bestimmte Erfahrungen und Situationen, die eher Stress auslösen als für Entspannung sorgen. Bleibt das ein Dauerzustand, sollte sich der Vierbeiner lieber einen anderen Karriereweg (außerhalb des Büros) einschlagen.

 

Mein Kollege mit der kalten Schnauze
// Erfolgreiches Teambuilding für zwei- und vierbeinige Kollegen

Ein Buch über Bürohunde und für Bürohunde, Hundehalter und Kollegen. Mit Geschichten, Interviews und jede Menge Tipps und Tricks. Das Buch ist als eBook erhältlich.

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