When I follow my dog I get to see these fantastic places where dog life can blossom.

Nachgefragt

Schon auf der Modersohnbrücke empfängt uns das Gebell. Wir haben echtes Feiertagswetter und auf dem nahen Hundeplatz in der Revaler Strasse scheint einiges los zu sein. Auf dem Platz war ich mit Niko schon länger nicht mehr. In seiner Junghundezeit habe ich ihn gern genutzt. Ein paar Fußminuten von zu Hause, genügend Platz und ausreichend Abwechslung für ein ausgiebiges Toben für Zwischendurch. Seit seiner Pubertät und Niko zunehmend zum „roten Tuch“ für viele andere Rüden wurde, laufen wir auf unseren Kiezrunden am Platz vorbei. Zuviele Hunde, meistens eher große Rassen und einige Negativerfahrungen haben mich vorsichtig gemacht.

Nichtsdestotrotz machen mich die Entwicklungen rund um diesen Hundeplatz nachdenklich. Das vor einiger Zeit noch stattliche Grundstück mit seinen Bäumen und Sträuchern, genügend Raum für die vielen Vierbeiner im Kiez und den sorgsam gestalteten Spiel- und Sitzecken ist lächerlich zusammengeschrumpft. Alles begann mit einer großen Baustelle für ein neues Appartmenthaus, an dessen Klingeln keine Namen, sondern Nummern haften und auf dessen Balkonen verdächtigt gleiche Möbeln stehen. Für den Bau wurde vor gut ein oder zwei Jahren eine Ecke vom Hundeplatz abgezwackt. Ok – damit konnte ich leben, denn es war ja noch genügend Platz vorhanden. Und jetzt?

Auch an der anderen Ecke hat ein Raubbau begonnen: Ein Bauzaun trennt eine nicht unerhebliche Ecke vom Kuchen ab. Zurückbleibt ein Korridor – viel zu klein für die täglichen Stammgäste. Wie sich die Dynamik auf dem Platz gestaltet, kann ich ehrlich gesagt, gar nicht sagen. Allerdings habe ich nun noch mehr Hemmungen, mit meinem Hund dort vorbeizuschauen – keine Komfortzone für kleine oder sehr junge Hunde, sich aus dem Weg zu gehen ist eher schwierig. Und gibt es nun Ersatzflächen? Natürlich nicht. Lichtenberg-Rummelsburg, Volkspark Friedrichshain oder Hasenheide sind eben nicht ums Eck und – was den Volkspark angeht – nicht wirklich praktikabel was Größe und Ausstattung angeht.

Aber die Verdrängung geht noch weiter: Öffentliche Parks und Erholungsoasen wie der Forckenbeckplatz im nördlichen Friedrichshain oder das Gelände rund um den Wasserturm im Prenzlauer Berg sind seit einer Zeit komplett tabu für Vierbeiner. Ein paar Fußminuten von meinem alten Büro entfernt war der Park ein regelmäßiges Mittagspausenziel. Durch ein geschicktes Schlupfloch hat sich die Verwaltung nun ein Hundeverbot zurechtgelegt: In dem Park befindet sich nicht nur ein Kinderspielplatz, abgetrennt durch einen Zaun, sondern auch freistehende Trampolins, die in den Boden eingelassen sind. Ähnlich wie im Forckenbeckplatz mit seiner einzigen freistehenden Schaukel wird der Park am Wasserturm damit zu einem „Kinderspielplatz“. Endlich ein Grund, vierbeinige Parkbesucher zu verbannen – was eine Mutter vor einigen Wochen deutlich durch das Ordnungsamt zu spüren bekam (zum Artikel in der Morgenpost). Für eine gemeinsame Familienzeit mit Kindern und Hund muss sie sich nun einen anderen Ort suchen.

Erleben wir nun einen Wandel vom einst sehr hundefreundlichen Berlin? Mensch ist anscheinend gern unter sich allein. Warum werden unterschiedliche Interessengruppen (wie die der Eltern, die sich für mehr Spielplätze stark machen) gegeneinander ausgespielt? Sollte nicht eher versucht werden, alle Seiten im Sinne eines respektvollen gesellschaftlichen Zusammenlebens miteinander zu vereinen? Berlin, überleg‘ es dir doch nochmal – es ist genug Platz für alle da!

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