Warum ich Hundeplätze nicht mag

Entweder man liebt sie oder nicht. 

Besonders Stadthundehalter wie ich nutzen gerne mal den Auslauf im Kiez, um den Lieblingsvierbeiner ein paar Runden entspannt rennen und andere Artgenossen auf ein Spiel treffen zu lassen. 

Letztes Wochenende habe ich mich nach längerer Zeit wieder durchgerungen, für ein Stündchen auf den Platz um die Ecke zu gehen. Aufgrund der sibirischen Temperaturen und einer intensiven Arbeitswoche waren ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen ein bisschen zu kurz gekommen. Und ich konnte es richtig Niko ansehen, dass er endlich mal wieder Gas geben wollte. 

Eine Entscheidung, die ich nach 10 Minuten auf dem Platz schon wieder bereute. Warum? 

Zu wenig Plätze für zu viele Hunde

Berlin ist die inoffizielle Hundehauptstadt. Kein Wunder, dass die Steuern für Erst- und Zweithund etwas höher sind als in anderen Gemeinden. Und auch keine Überraschung, dass die überschaubaren erlaubten Freilaufflächen des Öfteren etwas überfüllt sind. Denn jeder Kiez hat in der Regel nur einen Auslauf – mal mehr oder weniger klein. 

Zurück zu gestern Nachmittag: Zwar kalt aber schön sonnig, tummelte sich eine nicht kleine Hundeschar in die verschiedenen Ecken des Platzes. (Dieser Platz ist wegen einer Baustelle nebenan vor einigen Monaten verkleinert worden.) Für meinen Geschmack tatsächlich schon etwas zu viele Hunde. Denn in so großen Gruppen kann die Chemie deutlich schneller kippen und eine unangenehme Dynamik bekommen (aus meiner Erfahrung heraus). 

Was viele Halter zusätzlich unterschätzen: Durch das ständige Kommen und Gehen von Mensch und Hund wird die Dynamik auf dem Platz ebenso beeinflusst. Auch wenn Sozialkontakte unter Artgenossen wichtig sind und Niko die Zeit sehr genießt, kann sich auch schnell Stress einstellen. 

Dass es da mal zu Reibereien kommt, ist schon klar und auch nicht schlimm. Wenn ich merke, dass Niko nicht so richtig Anschluss findet (auch das passiert des Öfteren) oder zu sehr an einer Hundedame interessiert ist und nur noch an deren Hintern klebt, verlasse ich ziemlich schnell den Platz. Doch wohin dann? Ausweichmöglichkeiten gibt es kilometerweit jedoch keine. Obwohl es im Stadtgebiet genügend Möglichkeiten für weitere Plätze gibt; die Stadt allerdings die Notwendigkeit nicht sieht (und eher Plätze für etwaige Bauvorhaben schließen möchte, wie zuletzt beim Auslauf in der Rummelsburg). 

Und Freilauf an der Strasse oder auf den Mini-Parkflächen kommt für mich und den quirligen Pudel wegen Straßenverkehr und „Ohren auf Durchzug“ auch nicht in Frage. 

Ein bisschen wie Schulhof

Viele Hundeflächen werden von privaten Vereinen oder Interessengemeinschaften gehalten. Das merkt man oft daran, dass diese Plätze deutlich gepflegter sind und man bemüht ist, den Hunden auf dem Gelände etwas Abwechslung zu bieten, sei es durch Parkouranlagen, Schwimmteich für die heißen Sommermonate oder Spielzeug, das vertrauensvoll in Kisten und Körben auf den Plätzen gelagert wird. Was an sich total toll klingt, ist auf der anderen Seite auch wieder die Crux. Ist man wie ich eher seltener auf dem heimischen Platz oder zieht auch mal nomadenmäßig in Berlin von Park zu Park überkommt einem sehr häufig das Besucher-Gefühl, sobald man den Fuß in die Auslauffläche setzt. Es ist wie damals auf dem Schulhof. Als Neue(r) wird man von den alteingesessen Cliquen eher mit Distanz beobachtet. Ein Gefühl, das ich nicht mag und durch mein eher zurückhaltendes Wesen noch weiter verstärkt wird. 

Schubladen-Denken bleibt nicht aus

Eltern kennen die Situation bestimmt von Spielplätzen, aus Kindergärten oder Schulen. Treffen sich Hundehalter, kommen automatisch unterschiedliche Ansichten zusammen über Erziehung, soziales Miteinander und wie Hundebegegnungen auszusehen haben. Gehts auf den normalen Hunderunden auf der Straße zu fast 99 Prozent immer um die Diskussion über Leinenkontakt, hängt auf dem Platz automatisch die Frage in der Luft, wann greift Mensch ein und wann regeln das die Hunde selbst. Konfliktpotential vorprogrammiert. Normalerweise ecken wir eher weniger an, bis auf gestern: Wie immer versuchte ich, ein paar Platzrunden zu drehen, Niko immer Blick. So richtig Anschluß konnte er nicht finden. Das alt eingesessene Rudel hatte kein Interesse und auch die übrigen Hunde waren eher einzeln oder in Zweiergruppen unterwegs. Also kein Spielkumpel in Sicht. Eine Frau, die scheinbar sehr häufig dort ist, löste sich aus einer Gruppe und streifte uns auf dem Weg zu den Mülltonnen. Niko stand von ihr abgewandt und beobachtete den Eingang des Platzes und das Geschehen auf dem Bürgersteig. Auf ihrem Rückweg monierte sie sich lautstark über das Sozialverhalten „heutiger Hunde“. Keine Frage, sie meinte uns. Also sprach ich sie direkt an. Etwas verdutzt meinte sie, dass Niko sie angeknurrt hätte und sie würde es an meiner Stelle nicht tolerieren. Wie auch andere neige ich dazu, Niko erst einmal in Schutz zu nehmen, denn ich kenne ihn ja am besten. Aber wirklich – Hand aufs Herz – ich habe nichts gehört oder mitbekommen. Außerdem waren zwischen der Frau und Niko einige Meter Luftlinie und Niko war ihr nicht zugewandt. 

Das Urteil war aber schnell gefällt. 

Luft nach oben

Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern schon sehr hundefreundlich. Die Vierbeiner dürfen ihre Menschen in der Regel an viele Orte begleiten. In den heißen Sommermonaten stellen Restaurants und Cafés häufig frisches Wasser nach draußen oder haben manchmal das eine oder andere Leckerli parat. Und in den größeren Städten gibt es Initiativen zur Unterstützung bedürftiger Tiere und ihre Halter wie zum Beispiel die Berliner Tiertafel. Doch abgesehen davon, ist für die Städte und Gemeinden noch eine Menge Luft nach oben, um ihren vierbeinigen Bürgern das gesellschaftliche Zusammenleben noch angenehmer zu gestalten: Achtung Spoiler zum nächsten pudelwohl plus 1

Ich würde mir etwa wünschen, dass Brachflächen (und auch davon hat Berlin noch eine Menge) besser genutzt werden. Auch wenn es nur temporäre Freilaufflächen sind, entlasten sie die bestehenden Plätze um einiges. Ebenso gibt es bei der Gestaltung der Ausläufe noch viel Verbesserungspotential. Häufig sind die Plätze, um die sich keine Vereine kümmern, sehr klein und alles andere sicher. Ein gutes Beispiel ist der Mini-Auslauf im Volkspark Friedrichshain. Über den Zaun kann mein Kleinpudel locker drüber springen und auch die Zugangstüren sind nicht gesichert. Bereits nach fünf Minuten gähnt mich Niko vor Langeweile an – zu klein, keine Abwechslung und auch keine Wasserzugänge. Dieses Problem haben auch die Ausläufe auf dem Tempelhofer Feld. Das ehemalige Flughafengelände ist für sich schon alleinstehend. Die auf dem weiträumigen Gebiet angelegten Ausläufe sind groß und laden zum Toben ein. Aber das war es dann auch schon. Denn im Sommer können sich Hunde nicht lange dort aufhalten. Es gibt nämlich weder Bäume, noch Sträucher oder Wasserhähne, um die Hunde optimal gegen die Hitze zu schützen. Ein gutes Beispiel für einen gelungenen Auslauf ist die Rummelsburg/ Lichtenberg, den ich oben schon erwähnt habe. Sehr groß, abwechslungsreich und sauber. Und besonders gut gefällt mir das Séparée für kleine Hunde und Welpen. 

Manchmal lohnt sich auch ein Blick „über den Tellerrand“ bzw. zu anderen Ländern. In den USA gibt es mitunter Parks, die – wie Kinderspielplätze – verschiedene Themenlandschaften beherbergen, wie kleine Wasserplätze oder Klettermöglichkeiten. Das bringt nicht nur den Hunden große Freude 😉

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