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Von Augenringen, Google und Kaffeekonsum

10. April 2016

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Zugegeben die Überschrift funktioniert auch ohne Hund und könnte stellvertretend auch für junge Eltern, gestresste Agentur-Kreative oder Gründer stehen. Aber hier geht es ja um Niko. Ich hatte schon fast vergessen, mit welcher Geschwindigkeit sich so ein Wesen ins Herz schleichen kann. Seit Sekunde 1 bin ich schockverliebt.  Und als wir endlich nach knapp 7 Stunden Zugfahrt unseren Heimatbahnhof erreichten, war mir noch nicht bewusst, wie turbulent die nächsten Wochen werden würden. Nach einem Tag Pause holte uns gleich der Büroalltag ein, denn Urlaub war leider nicht mehr drin. Obwohl Niko in seinem zarten Welpenalter von sechs Monaten noch nicht allzu viel schlechtes erlebt hatte, das ihn negativ prägte, gab es soviele Dinge, die er noch nicht kannte: Lärm vorbeifahrender Autos, das Zischen der Fahrräder, die vielen Menschenbeine zur Rushhour.

Was mich Niko seitdem gelehrt hat, ist nicht nur eine Menge Einfallsreichtum (wenn es zum Beispiel darum geht, ihm beizubringen, dass draußen Pinkeln voll toll ist), sondern auch Geduld und Gelassenheit. Denn wenn ein Tier in seinem neuen Zuhause ankommt, verhält es sich in der Regel erst einmal unsicher und anders, als von uns erwartet. Denn warum soll es kleinen Fellnasen anders gehen als uns, wenn wir zum Beispiel im neuen Job anfangen oder uns bei ersten Dates von einem Fettnäpfchen ins nächste hangeln. 

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Mit Niko habe ich ganz großes Glück gehabt. Durch seine fröhliche und aufgeschlossene Art und seine schnelle Auffassungsgabe ist er ein absolut unkomplizierter Hund. Trotzdem waren unsere ersten Wochen ziemlich turbulent. Denn auch für unsere vierbeinigen Freunde ist ein strukturierter Alltag enorm wichtig. Das fängt bei geregelten Fresszeiten und Hunderunden an und hört bei regelmäßigen Lerneinheiten und Pflege auf. In den ersten Tagen und Nächten konnte ich kaum durchatmen: Sein Husten ließen alle meine Alarmglocken aufschrillen und sämtliche Online-Foren durchstöbern, alle zwei Stunden schlichen wir an allmöglichen Bäumen vorbei – vergebens, Niko war zu keinem Geschäft zu bewegen. In ständiger Hab-Achtstellung summierte sich mein Kaffeekonsum auf eine fast zweitstellige Tassenzahl und wie dem Herztod nahe irrte ich durch den Supermarkt, damit er nicht zu lange allein zu Hause ist.

Ein Aufwand, den ich nie bereut habe. Zusammen haben wir die ersten Wehwehchen überstanden, die Unsicherheit im Stadtleben bezwungen und uns aneinander getastet. Nach fast einem Dreivierteljahr habe ich nun endlich das Gefühl, dass wir unseren Rhythmus gefunden haben.

Wer sich dafür entscheidet, ein Tier in die Familie aufzunehmen, sollte sich immer wieder in die Lage des Tieres versetzen. Denn zwischen den vielen Zeilen gibt es Wünsche und Ansprüche, die gehört und berücksichtigt werden müssen:

Zeit – die es braucht, um anzukommen und sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Verständnis – denn mitunter wurde es durch unschöne Erlebnisse geprägt.

Sicherheit – Hunde sind Rudeltiere und suchen in ihrer neuen Familie ihren Platz und natürlich auch die Nähe zu ihrer neuen Bezugsperson.

Nachsicht – Regeln sind wichtig und geben dem Vierbeiner, die Sicherheit, die es braucht, um Situationen richtig einzuschätzen. Doch gerade am Anfang braucht es Zeit, bis sie die Zusammenhänge verstehen.

Beschäftigung – Jedes Lebewesen hat seine ganz eigenen Bedürfnisse und Persönlichkeiten. Es gibt Rassen, die sehr viel körperliche Auslastung benötigen, andere wiederum brauchen Kopfarbeit, um dauerhaft und gesund ausgelastet zu sein. Abwechslungsreiche Spaziergänge  sind nur das Minimum, das jeder einplanen sollte.

Sprache – Wir vergessen leider oft, dass sich unsere Mimik und Gestik von der eines Hundes stark unterscheidet. Auch ich ertappe mich desöfteren bei Monologen, die Niko wiederum nicht verstehen kann. Hunde brauchen kurze, prägnante Zeichen, die ihnen signalisieren, was wir in bestimmten Situationen von ihnen wollen. Doch auch umgekehrt müssen wir lernen, die Körpersprache und Signale zu deuten.

Auch wenn das jetzt erstmal viel abverlangt und uns ziemlich häufig an den Rand der Verzweiflung treibt – es lohnt sich! Einfach tief durchatmen, kurz zur Ruhe kommen und souverän weitermachen. Ihr werdet spüren, wie Eure kleinen Freunde es Euch danken.  Versprochen 😉

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