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Loslassen oder eine Frage des Vertrauens

24. April 2016

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Was macht glückliche Beziehungen aus? Auf jeden Fall und ganz wichtig natürlich die Verliebtheit und ein nicht enden wollender Schwarm an Schmetterlingen. Doch auch das schönste Wolkenschloss braucht eine starke Basis: Vertrauen und Sicherheit. Und was für zwischenmenschliche Beziehungen gut ist, funktioniert auch prima mit unseren Fellnasen.

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Zugegeben in meiner Beziehung zu Niko bin ich hyper-vorsichtig. Ein Schnaufer, ein trauriger Blick, eine falsch liegende Locke – ich bin sofort in Alarmbereitschaft. Es ist mittlerweile schon wesentlich besser geworden, doch immer noch muss ich tief durchatmen, um loszulassen und zu vertrauen. War es vorher das Welpenalter und seine naive Verspieltheit, die ich gerne vorschob, ist es heute die Pubertät und seine unglaubliche Neugierde. Es macht auch einfach zu viel Spaß, sich auf dem Alexanderplatz an die Tauben und Krähen heranzupirschen wie ein Panther oder durch die Luft wehende Papiertüten zu jagen. Und das sind ja noch die vielen Hundedamen, die ihm sehr schnell den Kopf verdrehen. Da werden Fahrradfahrer oder vorbeischnellende Auto zur ziemlichen Nebensache. 

Safety first und damit Leinenzwang. Auch wenn jetzt einige von Euch aufschreien, aber ganz ehrlich, ist mir die Gesundheit des kleinen Kerls 1000 Mal wichtiger als die Attitüde, dass Hunde nur artgerecht leben, wenn sie sich ohne Leine bewegen. Ich bin manchmal total erstaunt, aus welcher Entfernung Niko Artgenossen wittern kann. Mit seiner fröhlichen und aufgeschlossenen Art ist er sofort in Spielfreude und dann gibt es meistens kein Halten mehr. Wir üben das zwar kräftig, aber wie auch bei uns Menschen gibt es solche und solche Tage. Und unser Weg ist noch ein bisschen länger.

Um mein vermeintlich schlechtes Gewissen zu beruhigen und damit er trotzdem ordentlich mit seinen Hundefreunden toben kann, besucht er zweimal in der Woche sein Waldhunde-Rudel. Damit war ich einige Wochen auch gut eingestellt. Doch zu schnell hatte ich vergessen, dass eine Beziehung davon lebt, sich gegenseitig wachsen zu lassen und sich zu vertrauen. Besonders in Nikos Alter ist es wichtig, ihm durch Zugeständnisse Sicherheit zu geben, damit er sich zu einem selbstbewussten Hund entwickeln kann. An Ratschlägen und Ermahnungen hat es jedenfalls nicht gemangelt. Denn wie bei Eltern auf dem Spielplatz, im Kindergarten oder im Sportverein geht es auch in der Hunde-Community zu – sei es beim zufälligen Kreuzen auf der Straße, auf dem Hundeplatz oder beim Training. Es gibt für alles verschiedenste Methoden, Ansichten und natürlich 100 Fehler, die ich in den Augen anderer gemacht habe. Der Knoten platzte endlich, als wir einige Male mit befreundeten Hunden im Wald unsere Runden drehten. Mit viel Überzeugungskraft ermutigten mich meine Begleiter, Nikos Schleppleine einfach mal fallenzulassen und zu vertrauen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, welchen innerlichen Kampf ich führte. Und die Entscheidung war nicht nur richtig, sondern auch überfällig. Dieser Moment machte mich unglaublich stolz und Niko merkte das ganz genau. Hatte ich vorher immer Angst, dass sich Niko nicht genügend an mir orientiert und vermutlich schnell das Weite sucht, erlebe ich immer und immer wieder das Gegenteil. Denn ich signalisiere ihm klar und deutlich, dass ich als unser Rudel-Oberhaupt alles unter Kontrolle habe. Jetzt gehe ich auch allein – ohne Rudel – mit ihm im Wald spazieren und bin dabei völlig entspannt.

Eine ganz neue Ebene unseres Zusammenlebens, das er mir jedes Mal auf seine Art dankt.

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