Auf dem Rundwanderweg von Lübbenau nach Lehde

#walkingwild im Spreewald

W

enn du ganz aufmerksam bist, siehst du irgendwo zwischen Bäumen und Fließ die Krone des Schlangenkönigs blitzen – in meiner Kindheit lauschte ich ganz gebannt den Geschichten meiner Tante aus dem Spreewald. Seine Mystik und Sagenwelt faszinierte mich und ließ zugleich meine Ehrfurcht vor dem verwunschenen Labyrinth aus dichtem, unberührtem Wald und nebelumwobenen Wasserstraßen wachsen. Und nun wo er fast vor meiner Berliner Haustür liegt, zieht es mich nun hin und wieder für eine Auszeit dorthin. Und so ging es nun in den warmen Strahlen der allerletzten Spätsommersonne mit Rucksack und Pudel auf Entdeckungstour nach Lübbenau.

Lübbenau, niedersorbisch Lubnjow/Błota, liegt am südöstlichen Rand des Biosphärenreservates Spreewald und wird auch als Tor zum Spreewald bezeichnet. 

Vom Bahnhof führt uns der Weg in die Altstadt vorbei am Hafenviertel und direkt zum Schloß Lübbenau, einem der ältesten Gebäude der Stadt. Im Parkeingang steht ein schmiedeeisernes Tor mit einem Turm und einer kronengeschmückten Schlange – ein Relikt der letzten Besitzer der Standesherrschaft Lübbenau, die Familie der Grafen zu Lynar. Ursprünglich stammt die Familie aus der Toskana. 1568 zog es den Festungsbaumeister Rochus Guerrini Graf zu Lynar nach Deutschland. Elisabeth, die Witwe des Grafen Johann Casimir zu Lynar kaufte 1621 die Herrschaft Lübbenau. Diese blieb mehr als dreihundert Jahre im Familienbesitz.

 

 

Auf dem Rundwanderweg ins Lagunendorf Lehde

Unsere Stationen:
St. Nikolai-Kirche  – Sagenbrunnen  – Grosser Spreewaldhafen  – Leiper Weg – Europawanderweg – Lehde Freilandmuseum – Gurken- und Bauernhausmuseum – Hechtgraben – Lübbenau Schloßbezirk  

Wir orientieren uns an der Markierung grüner Schrägstrich. Sie führt uns durch das schmiedeeiserne Tor in den Schlossgarten. An der Orangerie vorbei gelangen wir über eine kleine Brücke in den hinteren Teil des ruhigen Parks. Vorbei am Eiskellerteich halten wir uns rechts – über die Brücke (Wegweiser Rundgang) und erreichen den Campingplatz am Schlosspark.

Weiter zur Brücke,  die wir überqueren. Und nun geht es geradewegs nach Lehde. Anscheinend werden wir dabei beobachtet. Denn Niko spitzt seine Ohren und geht auf Mäusejagd.

Am Ortseingang laden Bauernhaus- und Gurkenmuseum mit historischen Produktionsmitteln der Gurkeneinlegerei zu einem Besuch ein. Geradeaus weiter wartet das Gasthaus Zum Fröhlichen Hecht und gegenüber das Spreewaldmuseum. Weiter gehts über die große Bogenbrücke, und wir folgen dem Wegweiser. 

Man kann nichts Lieblicheres sehen als dieses Lehde, das aus ebenso vielen Inseln besteht, wie es Häuser hat. Theodor Fontane. 

Lehde – ein Dorf wie aus dem Märchenbuch

Wasserwege bilden das Straßennetz; Holzbrücken verbinden unzählige Inseln. Feuerwehr, Post, Müllabfuhr – alles mit dem Kahn, der in Lehde, niedersorbisch Lědy, das wichtigste Verkehrsmittel ist. 

Das gesamte Dorf steht unter Denkmalschutz. Hier leben heute knapp 150 Menschen. Der Ort ist ein Inseldorf, das aus vielen Kaupen besteht. Über Jahrhunderte war Lehde ausschließlich auf dem Wasserweg zu erreichen. Noch heute verfügen fast ausschließlich alle Grundstücke über einen eigenen Zugang zu einem der vielen Fließe. 

Viele Treppen hoch, viele Treppen runter kommen wir zum Leiper Weg (Europa-Wanderweg E 10). Wir halten uns rechts und wandern zwischen zwei wasserführenden Gräben unter Laubbäumen bis zur Brücke am Spreewaldhafen in Lübbenau und gelangen über eine zweite Brücke zur Kahnabfahrtsstelle. Auf dem kleinen Platz bieten zahlreiche Marktstände ihre regionalen Produkte an. 

Um Lehde herum entdecken

Uska Luke und der Gurkenradweg

Der Wasserarm führt vom Südumfluter in nordöstlicher Richtung durch die idyllische Landschaft des Spreewalds. Sie wird vom zwischen Lübbenau und Leipe bestehenden Rad- und Wanderweg, dem so genannten Gurkenradweg, überbrückt. Nach Osten zweigt die Wolschina ab. Die Uska Luke führt dann in nördliche Richtung und endet am Hauptarm der Spree. Nördlich führt der Hechtgraben, niedersorbisch Giglica, weiter nach Lehde. Die Häuser zu beiden Seiten des Fließes sind nur per Kahn über den Hechtgraben erreichbar.

Für mich ist der Spreewald mein ganz persönlicher Kraftort. Hier kann ich durchatmen, auf den Wanderungen meine Gedanken sortieren oder beim Paddeln auf den Wasserarmen die Seele baumeln lassen. Ein Tagesausflug ist die Reise wert und mit der Regionalbahn, die stündlich fährt gut planbar. Ein Kurzurlaub to go. Und wer die Natur etwas intensiver erleben möchte, gibt es viele wunderschöne Ferienhäuser mitten im Nirgendwo.

Über eines davon haben wir hier schon erzählt: 2 Tage im Blockhaus.