Monthly Pudel: Über Mini-Menschen, Nervenkitzel und Wachhunde

It’s a wrap! Regen, Frost und eine zu lockere Kniescheibe zwingen uns momentan zu Entschleunigung und Couch. Jetzt gibt es also keine Ausrede mehr für einen neuen Monthly Pudel. Über den Monat sammel ich normalerweise alle Begebenheiten, die ich Euch erzählen möchte. Mit Erschrecken habe ich gerade festgestellt, dass meine kleine, aber feine Liste verschwunden ist. Wahrscheinlich ist sie meinem Frühjahrsputz unbemerkt zum Opfer gefallen. Jetzt muss ich meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, um noch die eine oder andere Anekdote für Euch rauszukramen.

Vor ein paar Wochen zum Beispiel. Da machte mich ein ganz besonderer Besuch ziemlich stolz:

Minis unter sich

Nach einer gefühlten Ewigkeit wollte ich endlich mal wieder eine Freundin und ihre kleine Tochter treffen. Die junge Dame hatte gerade ihren ersten Geburtstag und ich war extrem gespannt, wie groß sie schon geworden ist. Meistens treffen wir uns auf einen entspannen Spaziergang. Aber die extreme Kälte machte uns einen dicken Strich durch die Rechnung. Also schlug ich vor, dass die Beiden uns einfach besuchen kommen. So wäre es am entspanntesten für Niko. Je nach Bedürfnis kann er sich dann nämlich einfach in seine Komfortzone zurückziehen. In seinem Alltag hat der kleine Pudel eher weniger Kontakt zu Kleinkindern und Babies. Daher war ich sehr gespannt, wie die beiden Mini-Wesen miteinander umgehen werden.

Der letzte Versuch liegt mittlerweile auch schon über ein Jahr zurück. Und die beiden kleinen Übernachtungsgäste hatten Niko ganz unbeabsichtlich ziemlich gestresst. Einen Tag später war Nikos Erleichterung über die leere und ruhige Wohnung deutlich anzumerken. Aber zwei Kinder sind ja mehr als eins und ein Nachmittag ist ja noch keine Nacht. Erwartungsvoll ging es also in den Nachmittag.

Kaum waren die vertrauten Stimmen im Hausflur zu hören, war Niko nicht mehr zu halten. Neugierig und voller Freude musste er die Kleinfamilie erstmal begrüßen. Angekommen und aus dem Schneeanzug startete die Mini-Dame gleich ihren „Rundgang“. Immer verfolgt von der neugierigen Pudelnase, die ganz fasziniert war, von diesem kleinen Menschen – endlich mal jemand auf Augenhöhe. 

Drei Augenpaare vergaßen ihre Kaffee, während sie die behutsamen Annäherungen verfolgten. Sowohl Niko als Filine bewegten sich ganz vorsichtig, ohne den anderen einzuschüchtern. Ein kleiner Moment des Luftanhaltens – als der Beutel mit den Spielsachen ausgepackt wurde. Da kullerte tatsächlich ein ähnlicher Gitterball aus der Tasche, mit dem auch Niko hier zu Hause spielt. Ob er den Unterschied zwischen seinen und ihren Sachen erkennt? Ja! Jeder kümmerte sich um seins. Wir waren wirklich sehr stolz. Denn so eine entspannte Situation ist nicht selbstverständlich und kann auch ein paar Anläufe brauchen.

Safety first?

Nö! Einmal Eisbaden und gefrorenes Fell in Nullkommanichts inklusive oder sein momentanes Bewegungsverbot sind Niko so ziemlich egal, wenn es darum geht, Spaß zu haben. Dass er bestimmte Gefahrensituationen aka Radfahrer oder Autos auf der Strasse sehr gerne völlig ausblendet, ist für mich nichts neues. Aber nun sichtlich gehandicapt, trotzdem nicht vom Gas zu gehen, stellte vor ein paar Tagen meine Contenance auf die Probe: Plötzliches Humpeln und ein angezogenes Hinterbein ließen den Tierarzt nicht lange auf sich warten. Die Diagnose war auch keine Überraschung für mich. Vor knapp zwei Jahren hatten wir schon einmal damit zu kämpfen. Denn Niko hat  eine so genannte springende Kniescheibe, die ihm mal mehr oder weniger Probleme bereitet. Wildes und hohes Springen sind für ihn seitdem tabu. Ich vermute aber, dass die kleine Spieleinlage vergangenen Freitag ihr Übriges getan hat. Denn pünktlich zur ersten Morgenrunde am Samstag hüpfte Niko auf drei Beinen durch die Gegend.

Auf die Spritze und eine Ration Tabletten für die nächsten Tage gab uns der Tierarzt noch sehr ermahnende Worte mit auf den Weg: Eine Woche lang absolute Ruhe, maximal 10 bis 15 Minuten auf Hunderunde und ansonsten – er wiederholte sich mehrmals – das Bein still halten. Erholt sich das Bein nämlich nicht richtig, können Folgeschäden eine Operation irgendwann unausweichlich machen. Schon vor zwei Jahren hat uns der Tierarzt einen solchen Eingriff genau erklärt und eigentlich davon abgeraten, da dieser nur „verschlimmbessern“ würde. Also Zähne zusammenbeißen und Ruhe im Karton. Auf dem Sofa ist es ja auch ganz schön. 

Was Niko von diesem Plan hält, zeigte er mir bereits am ersten Abend. Kürzere Pipi-Runden bedeuten auch öfters rausgehen. In den späteren Abendstunden (nach dem Tierarzt) war ich vom Tag schon so gerädert, dass meine Faulheit siegte und ich Niko einfach in die Hinterhof trug. Entspannt schnüffeln, kurz das Beinchen heben und schnell wieder rein. Nein! Was dann folgte, ließ mich nur noch den Kopf schütteln. Der Pudel rannte und tobte quer über den Hof und ließ sich nicht rufen. Spielmodus hoch 15 – egal, was die Kniescheibe dazu sagt. Einfach unverbesserlich. Und auch jetzt vier Tage später – schauen mich die Pudelaugen ungläubig an, wenn ich uns nach einer Minirunde nach Hause lotse. 

#weilwirdichlieben – Da geht noch was, BVG!

Aus einer einfachen Anfrage beim Kundenservice der BVG entwickelte sich mein Aufreger des Monats, der noch lange nicht vorbei ist. 

Die frostigen Abendtemperaturen haben uns vor knapp drei Wochen schnurstracks in die U-Bahn geleitet. So weit, so gut und auch noch nichts besonderes. Angekommen an unserem Ziel stieg aus einem anderen Waggon eine Gruppe Sicherheitsleute mit aus. Die 5er-Gruppe begleitete ein Hund – Maulkorb, eingeklemmter Schwanz und sich sichtlich unwohl fühlend. Verschnaufen konnte er nicht, denn es ging gleich weiter in die nächste Bahn. Armer Kerl, dachte ich und auch später, zu Hause angekommen, ließ mich sein Schicksal nicht los. Denn ist es ethisch zu vertreten, dass ein Hund stundenlang, eingeklemmt zwischen Menschenbeinen während der abendlichen Rush Hour U-Bahn fährt? Mit Maulkorb, ohne Rückzugsort und vor allen Dingen, ohne eine für mich erkennbare Aufgabe?

Also klappte ich den Rechner auf und suchte im Netz nach Antworten. Auf der großzügig verschachtelten BVG-Seite war nichts zu finden. Dafür aber einige Presseartikel, die über den Einsatz von Wachhunden bei der BVG berichteten: Als Abschreckung und zur Einflößung von Respekt sollen die Vierbeiner eingesetzt werden. Aha!

Für mich ein absolutes No-Go

  1. Die Gruppe aus fünf stattlichen und mit Sicherheitskleidung ausgestatteten Wachmännern ist meines Erachtens schon stark genug und braucht keinen kleinen bemaulkorbten Hund, um sich Beachtung zu verschaffen.
  2. Was soll ein Hund mit Maulkorb in einer brenzligen Situation ausrichten? Wird ihm etwa der Maulkorb abgenommen und er auf den vermeintlichen Störenfried losgelassen?
  3. Wird durch ein solches Auftreten die Angst bzw. das Unbehagen gegen bestimmte Rassen oder Hunde generell nicht noch weiter bestärkt?
  4. In welcher Form wird der Hund vor etwaiger Gewalt bei Eskalationen geschützt? Die Wachleute haben ja ihre Schutzkleidung. Aber der Hund?
  5. Kann es artgerecht sein, wenn ein Vierbeiner stundenlang von einer U-Bahn in die nächste tingelt und zwischendurch mal an den Stationen aussteigt?

Fragen über Fragen, auf die ich an dem Abend keine Antworten fand. Also schrieb ich der BVG und fragte konkret nach: Was das genaue Aufgabengebiet dieser Wachhunde umfasst, wie ihr Tagesablauf aussieht, wer sich um die Hunde kümmert und welche Maßnahmen für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Hunde gestroffen werden.

2,5 Wochen und zweimal Nachhaken meinerseits später bekam ich also endlich eine Antwort. Denn vorher beschäftigte sich eine sogenannte Fachabteilung, die nicht näher benannt wurde, um meine Anfrage. 

… vielen Dank für Ihre Nachfrage vom 08.03.2018. Gerne geben wir eine Auskunft zum Einsatz der Diensthunde.

Die Firma WISAG widerspricht den genannten Unterstellungen mangelnder tierschutzrechtlicher Gegebenheiten für die eingesetzten Hunde. Der mit der BVG vertraglich festgelegte Einsatz der ausgebildeten Hunde erfolgt nur mittels von Mitarbeitern, welche eine Prüfung zum Diensthundeführer vor einer Industrie- und Handelskammer absolviert haben.

Der tiergerechte Einsatz wird durch genau festgelegte Ruhezeiten und -orte für die Hunde gewährleistet, welche den Bestimmungen der Berufsgenossenschaft erfüllen müssen, deren Erfüllung zudem durch die Schichtleitung und ein internes Audit überwacht werden.

Wir danken Ihnen, dass Sie sich mit Ihrem Anliegen an uns gewandt haben.

Ernsthaft?! Darauf habe ich also 2,5 Wochen gewartet?! In meinem Kopf bleiben also mehr Fragezeichen und Unbefriedigung zurück. Respekt vor Tieren und eine tierfreundliche Einstellung bedeuten ein bisschen mehr als ein nett gemeinter Instagramkanal, liebe BVG. Ich weiß, was ich gesehen habe und hätte mir viel mehr Transparenz und auch Aufklärung gewünscht. Die Geschichte ist hier für mich noch nicht zu Ende, denn meine Spürnase ist geweckt und will Antworten.

 

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