Was ist eigentlich gutes Design?

Was jeder für sich als schön empfindet, ist Geschmackssache. Sind es bestimmte Farben oder Formen, aufregende Muster, die ganz individuelle Empfindungen auslösen. Doch was als Design häufig auf diese Merkmale reduziert wird, ist weitaus mehr als eine attraktive Objektwelt.

Eher selten führt mich der Weg in Berlins berühmtestes Kaufhaus. Es ist mir ein bisschen zu voll, ein bisschen zu wenig Tageslicht und – für meinen Geschmack – zu wenig inspirierende Marken, die echte Impulse in den Zeitgeist geben. Naja, und nicht zu vergessen: Vierbeinige Besucher sind dort leider nicht erwünscht. Spontane Stippvisiten sind damit also ausgeschlossen. Doch eine Einladung in einen Popup Store weckte meine Neugier und brachte mich auf den Gedanken dieses Artikels.

Empfindungen und Begehrlichkeiten

Klar, unaufdringlich, reduziert. Gutes Design ist – für mich – so wenig Design wie möglich. Es lässt mich nach Hause kommen, Geborgenheit spüren und unterstreicht in gewissem Maße meine Persönlichkeit. Ob in meiner Garderobe, in der Einrichtung oder eben auch bei Nikos Alltagszubehör. Gerade das Angebot für unsere Vierbeiner hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. In schier unendlichen Farbvarianten, Stoffen oder Kombinationen entstehen Schlafplätze, Reisetaschen, Spielzeug, Geschirre oder auch Leinen. Angelehnt an Mainstream-Trends wecken Flamingo-Bandanas, Plüscheinhörner oder babyblaue Welpen-Erstaustattungen gewisse Begehrlichkeiten und suchen ihre Wege ins heimische Körbchen.

Aber Design bedeutet soviel mehr!

Justine Siegler brachte es vor einiger Zeit auf ihrem Blog für mich auf den Punkt: „Seit wann ist es normal, dass nicht-bio, nicht-fair, nicht-nachhaltig, nicht-öko normal ist?“ Ein sehr empfindlicher Nerv. Zwar wollen wir durch Zero-Waste, Re- und Upcycling wesentlich bedachter leben, doch noch zu häufig sprechen die vollen Warenkörbe eine ganz andere Sprache. Denn Hand aufs Herz – wieviele Halsbänder, Leinen, Bandanas hängen an der Garderobe im Flur – von Schnäppchen, über Sommeroutfit oder Trends. Und wie gut gefüllt ist eigentlich die Spielzeugkiste?

Knapp 39 Prozent versuchten, Marken oder Unternehmen zu meiden, die ihrer Meinung nach nicht umweltfreundlich sind, und nur 35 Prozent überprüften, ob die Angaben auf dem Produktetikett oder der Verpackung stimmen. * Studie OEKO-TEX® – „The Key to Confidence: Consumers and Textile Sustainability—Attitudes, Changing Behaviors, and Outlooks“

Wie kann Design also dazu beitragen, unsere Gewohnheiten beim Kauf, bei der Nutzung und eben auch Entsorgung eines Produkts zu beeinflussen, um damit wiederum die richtige Signale zu geben?

Gutes Design zeichnet sich für uns durch zwei Besonderheiten aus: höchste Funktionalität und ein innovatives Design. Bei all unseren Produkten steht die Funktion im Vordergrund, denn das Produkt soll in erster Linie den Ansprüchen des Hundes oder der Katze gerecht werden. Gleichzeitig haben wir den Anspruch, Produkte zu designen, die zu einem modernen Wohnstil passen. Die vom Bauhaus geprägte Design-Philosophie „form follows function“ stand von Anfang an im Vordergrund unserer Arbeit und wird auch in Zukunft unsere Produkte prägen, ebenso wie die Verwendung hochwertiger Materialien und die nachhaltige Herstellung in Deutschland und Europa. (Barbara und Sebastian Zweig, MiaCara Design)

Gutes Design ist …

innovativ.

Wer mit Tieren zusammenlebt, kennt vielleicht den Zwiespalt, Hundebett, Katzentoilette oder Kletter- und Kratzmöglichkeiten möglichst ansehnlich in die eigene Wohlfühloase zu integrieren. Bevor Niko eingezogen ist, tat ich mich erstmal ziemlich schwer, ein passendes Hundebett zu finden. Es brauchte tatsächlich ein paar Anläufe. Dabei ging es nicht nur um das bloße Aussehen, sondern vor allem auch um eine intelligente Funktionalität. Gut durchdachtes Design verrät seine eigentliche Funktion nicht unbedingt auf den ersten Blick. Ein sehr gelungenes Beispiel fand ich in dem besagten Popup Store – eine Katzentoilette. Findet sich diese in den Wohnungen meist an versteckten Orten oder im Bad, zeigte sie sich in der Ausstellung in einer sehr spannenden Interpretation. In gedeckten Farben, gefertigt aus Aluminium fügt sich die Toilette nicht nur harmonisch in die Einrichtung ein, sondern kombiniert den Rückzugsort mit einer Sitzgelegenheit. Sehr gelungen und vor allem zeitlos.

konsequent bis ins Detail.

Von der Idee über die Auswahl der Materialien in die hochwertige Verarbeitung zum fertigen Produkt – ein gutes Design wirkt wie eine Geschichte, die ihre Zuhörer emotional in den Bann zieht und sich dabei vom Anfang bis zum Ende treu bleibt. Keine Willkür, kein Zufall und vor allem keine Kompromisse – alles fügt sich zusammen.

Unsere Produkte werden von aktuellen Interior Design Trends ebenso inspiriert wie von unseren Hunden und Katzen. Neben eigenen Designs ist die Zusammenarbeit mit internationalen Produktdesignern zentraler Bestandteil unserer Produktentwicklung. Wir arbeiten intensiv mit den Designern an neuen Produkten und entwickeln diese so lange weiter, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden sind. Von der ersten Idee bis zum finalen Produkt vergehen durchschnittlich drei bis sechs Monate, bei komplexeren Produkten kann es auch rund ein Jahr dauern, bis es auf den Markt kommt. (Barbara und Sebastian Zweig, MiaCara Design)

umweltfreundlich.

Nachhaltigkeit spielte schon seit Beginn des Design-Gedanken (im 19. Jahrhundert) immer wieder eine Rolle. Mal mehr, mal weniger präsent. Inzwischen wird die Perspektive eines nachhaltigen Designs immer stärker in die Produktentwicklung eingebunden. Bedingt durch die klima-politische Situation und des wachsenden Bewusstseins der Verbraucher ihrer ökologischen Verantwortung und damit den Folgen für die industrielle Produktion sowie neuer Umweltschutzauflagen für Hersteller. Als nachhaltiges Design oder auch Eco-Design verbindet es soziale, ökologische und ökonomische Aspekte von Nachhaltigkeit zu einem positiven Nutzen für Umwelt, Hersteller und Verbraucher.

Indizien für das Vertrauen in eine Marke sind Inhaltsstoffe und Zertifizierungen. Nach einer Studie von OEKO-TEX® überprüfen 49 Prozent der Konsumenten die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und 52 Prozent sind für ihre Kaufentscheidung bestimmte Zertifizierungen wichtig. 

Qualität und Langlebigkeit bilden heute die Kernwerte der Produktentwicklungsphilosophie. Die verwendeten Materialien müssen nicht nur den Ansprüchen ihrer Nutzer genügen, sondern lassen sich im Idealfall durch Remanufacturing wieder zurück in den Kreislauf bringen. Einige Hersteller gehen sogar noch weiter: Auf der Suche nach einem neuen Hundebett für Niko bin ich auf eine Manufaktur im Süden Deutschlands gestoßen, die erst bei Kauf das entsprechende Bett – angepasst an die Bedürfnisse des Hundes – herstellt, anstatt auf Lager zu produzieren. Und dafür nehme ich auch gerne eine Lieferzeit von knapp fünf Wochen in Kauf.  

Denn …

gutes Design übernimmt eben auch Verantwortung.

Das Wirken von Design ist vielschichtig und ein guter Wegweiser für unser Bewusstsein und Handeln. Es versteht sich als mögliche Interpretation auf die Fragen unserer Zeit. Ich bin daher sehr gespannt, wohin sich Produkte und Angebote weiter entwickeln werden.

Trotz aller Begeisterung für Design, sollten wir immer daran denken: Kauft nur das, was ihr wirklich braucht, was zu euch passt und euch auch gefällt.

(Die Zitate sind im Rahmen eines Interviews entstanden. Dieses erfolgte unentgeltlich und aufgrund einer journalistischen Recherche.)

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