When I follow my dog I get to see these fantastic places where dog life can blossom.

Sinnvoll gedacht

Kommenden Monat ist es wieder soweit, mein Beitrag für die Hundesteuer wird fällig. Mit 30 Euro im Quartal ist der Geldbetrag auf den ersten Blick übersichtlich. Allerdings würde mir die Überweisung an das Finanzamt wesentlich einfacher fallen, würden diese Beträge den Vierbeinern unserer Stadt zu Gute kommen und nicht auch noch weiter steigen, wenn ein zweiter oder dritter Hund das Familienleben ergänzt.

Die Hundesteuer hat eine lange Tradition. Doch warum wurde sie eigentlich ursprünglich erhoben? Die teils noch verbreitete Annahme, dass Gemeinden die eingenommene Steuer zur Stadtreinigung und Beseitigung von Hundekot einsetzen, ist tatsächlich falsch. 

Wo hat die Hundesteuer ihre Wurzeln?

Die Erhebung dieser Steuer geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Bauern, die in einem Lehnsverhältnis standen, mussten für ihre gehaltenen Hunde eine Abgabe leisten, den sogenannten Hundekorn oder Bede. Anstatt eines Geldbetrages war es zu dieser Zeit üblich, einen Teil der Kornernte abzugeben. Diese Abgabepflicht wurde irgendwann aufgehoben – bis zum 19. Jahrhundert. Großbritannien führte 1796 die Hundesteuer als Luxusabgabe ein, Dänemark folgte einige Jahre später (um 1807). Damit die Armenkasse aufgefüllt werden konnte und zur Begleichung von Kriegsschulden, führten das Herzogtum Holstein als auch Offenbach die Hundesteuer als probate Geldquelle ein. Sie betrug einen Reichstaler pro Jahr.  

Rund zwei Jahre folgte auch Sachsen Coburg, um gegen die Tollwutgefahr vorzugehen. Interessant: Für Rüden musste mehr abgegeben werden als für Hündinnen. Diejenigen Hunde wurden markiert, deren Halter die Steuer bezahlt hatten. Alle anderen konnten eingefangen werden. Auch zur damaligen Zeit gab es für die Erhebung bereits vereinzelte Ausnahmen: So durften Jäger zwei Hunde halten, Schäfer je einen pro Herde und auch Nachtwächtern sowie Dorfbewohnern in Waldgebieten stand ein steuerfreier Hund zu. Nach und nach zogen immer mehr deutsche Gemeinden und Landkreise nach, bis sich die Hundesteuer im ganzen Land durchgesetzt hatte.

Die Hundesteuer zählt zu den Aufwandssteuern. Der grundsätzliche Gedanke bei der Einführung der Hundesteuer bestand aus mehreren Teilbereichen. So sollte die Anzahl der Hunde niedrig gehalten werden, um die Ausbreitung von Tollwut einzudämmen aber auch um Verletzungen durch die Vierbeiner zu gering zu halten. ​

In Deutschland gibt es etwa 11.000 Gemeinden. Jede davon erhebt die Steuer nach eigenem Ermessen. Was die Höhe der Steuer betrifft, so schwanken die Werte mitunter stark. Nicht nur für sogenannte Listenhunde muss vielerorts tief in die Tasche gegriffen werden, sondern auch für Mehrhundehaltung. Und tatsächlich ist diese Steuer nicht zweckgebunden. Ein klares Muster für die Höhe der Erhebung ist nicht erkennbar: Während im niedersächsischen Verden die Hundehaltung mit 24 Euro jährlich sehr günstig ist, kostet in der niedersächsischen Hauptstadt Hannover der Ersthund bereits 132 Euro. Eine übergreifende Ausnahme gilt bei Hunden, die ausschließlich für gewerbliche Zwecke gehalten werden, wie etwa Zuchthunde. Oftmals sehen Gemeinden darüber hinaus eine verminderte Steuer oder sogar Steuerbefreiung für Hüte-, Blinden- oder andere Gebrauchshunde vor. Und wer aus dem Tierschutz adoptiert kann sich ebenso mancherorts freuen.

In den ersten drei Quartalen 2020 spülte die Hundesteuer mehr als 331 Millionen Euro in die Kassen von Gemeinden und Landkreisen. Ein Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr!

Mit Blick auf diese Zahlen kann ich mir nicht vorstellen, dass in Deutschland die Hundesteuer in den kommenden Jahren abgeschafft wird, so wie es in vielen anderen Ländern Europas bereits geschehen ist. Lediglich Österreich, die Schweiz und Luxemburg halten weiter an ihr fest. In den Niederlanden gibt es nur in vereinzelten Kommunen eine Sonderabgabe für die private Hundehaltung.  

 

Hundesteuer – Ein Blick in die Zukunft

Immer mehr Menschen entscheiden sich für das Zusammenleben mit einem Hund. Die Ausbreitung der Pandemie und die dadurch einhergehenden Veränderungen im (Arbeits-) Alltag haben diese Entwicklung weiter bestärkt. Der Platz im städtischen Raum ist allerdings begrenzt. Damit ein friedvolles Zusammenleben und vor allem ein artgerechtes Leben für die Vierbeiner möglich ist, braucht es unter anderem ausreichende Hundefreilaufflächen, Entsorgungsmöglichkeiten für Hundekot als auch kompetente Anlaufstellen für Unterstützung und Beratung. In großen Teilen kommen private Initiativen und Vereine mit vielen ehrenamtlichen Unterstützenden diesen Herausforderungen nach. Und doch wäre für den Ausbau dieser Angebote eine Verwendung der Hundesteuer eine zukunftsorientierte Investition.

Die Hundesteuer steht der Gemeinde zu, in deren Bereich der Hund gehalten wird. 

Sinnvolle Konzepte, die im Sinne des Gemeinwohls unterstützt werden könnten:

Tiertafeln und tierärztliche Versorgungen für Bedürftige

Vereine wie die Berliner Tiertafel e.V.  sammeln Futter und Zubehör, um Bedürftigen mit Tier zu helfen. Mehr als 3,5 Tonnen Futter werden jeden Monat in Berlin benötigt, um die über 500 Schnauzen satt zu machen. Alle zwei Wochen ist zudem eine mobile Ausgabe unterwegs, um obdachlose Menschen mit ihren Hunden zu unterstützen. 

Die Tiertafel ist gemeinnützig tätig und finanziert sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Regelmäßige und anlassbezogene Zuwendungen von Stiftungen sowie aus dem Budget der Tierschutzbeauftragten des Landes Berlin (Senatsverwaltung für Verbraucherschutz, Justiz und Antidiskriminierung) fließen dem Verein ebenfalls zu. Ohne diese Gelder und dem großen Engagement des ehrenamtlichen Teams wäre die Arbeit der Berliner Tiertafel e.V. allerdings nicht möglich.

Ausbau und Pflege der Hundefreilaufflächen 

Orte, wo Hunde ungestört und mit ausreichend Platz unter sich sein können, werden auch in Berlin langsam rar. Hundeausläufe müssen entweder Baustellen für neue Stadtwohnungen weichen oder werden von ihrer Fläche immer mehr verkleinert. Auch Parks und Grünflächen zieren immer häufiger Verbotsschilder und das Ordnungsamt ist wenig zimperlich. Diese Beobachtung mache ich schon seit Längerem. Und wenn Frühling und Sommer uns wieder für Picknick, Sonnenbaden und Zeitvertreib in die Parks und auf die Wiesen locken, ist ein entspannter Spaziergang mit Hund noch weniger möglich. Wir brauchen also Platz, der sinnvoll und artgerecht gestaltet ist. Bisher haben sich fast ausschließlich Vereine und ehrenamtlich helfenden Händen dieser Aufgabe angenommen. 

Unterstützung der Tierheime und der Tierrettung

Das Tierheim in Berlin ist riesig und zugleich das Größte in Europa. In den vier Katzenhäusern, sechs Hundehäusern, im Kleintier- und Vogelhaus sowie dem großen Gehege für freilebende Katzen warten die Tiere auf ein sicheres und liebendes Zuhause. Für die Pflege ihrer Schützlinge und auch vermittelten Bewohnern ist eine eigene Tierarztpraxis, eine Katzennotstation und ein Haus für verletzte Wasservögel zuständig. Der Tierschutzverein finanziert seine Arbeit durch zahlreiche Spenden, Beiträge von rund 15.000 Mitgliedern, diversen Nachlässen und fast 800 ehrenamtlichen Helfer.

Subvention der Hundetickets in den Öffis

Ohne Auto geht es eigentlich am Besten durch die Stadt. Doch nicht immer ist der Weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad praktikabel. Daher sind wir fast jeden Tag ob auf Kurz- oder längerer Strecke mit den Öffis unterwegs. Die Mitnahme von Hunden und anderen Haustieren im Öffentlichen Nahverkehr ist grundsätzlich erlaubt, kostet allerdings auch was. Kleine Hunde, welche die Größe einer Hauskatze nicht überschreiten, dürfen kostenlos mitfahren. Allerdings müssten sie dafür in  einer geschlossenen Transportbox oder Tasche untergebracht sein. Für größere Vierbeiner muss ein Fahrschein mit ermäßigtem Tarif gelöst werden. Ein Grund, warum ich mich für ein Jahres-Abo entschieden habe, denn auf Zeitkarten ist die Mitnahme EINES Hundes inbegriffen. Also schon bei einer Mehrhundehaltung kann das Fahren mit den Öffis auf Dauer preisintensiv werden. 

Kostenlose Beratungsstellen und Tierschutzunterricht

Was braucht ein Hund – stellvertretend für alle anderen Haustiere? Wie gehe ich mit verschiedenen, mitunter schwierigen Situationen um? Ob bei Erziehungsfragen, der Entscheidung, welche Rasse oder welche Persönlichkeit sich für den eigenen Lebensalltag eignet oder bei Veränderungen bedingt durch Familienzuwachs, Krankheiten oder finanziellen Nöten – im Zusammenleben mit unseren Hunden ergeben sich viele Fragen oder das Bedürfnis nach Beratung. Aber auch in der Förderung von positiven Kind-Tier-Beziehungen sind Konzepte und Angebote gefragt, wie zum Beispiel die Tierschutzakademie im Tierheim Berlin.

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