Plus 1Auf einen Schnüffler mit Mons Bons

Auf einen Schnüffler mit Mons Bons

Auf Ceren, Hunde-Dame Mona  und ihr Herzprojekt Mons Bons bin ich über die berühmten drei Ecken aufmerksam geworden. Ein bisschen recherchiert und es war klar, ich muss die beiden unbedingt treffen. Und weil Berlin manchmal wirklich ein Dorf ist, lebt und arbeitet Ceren tatsächlich in einer Parallelstrasse von meinem Büro. Einer Mittagsrunde mit vielen neugierigen Fragen stand also nichts mehr im Weg:

Über eine gemeinsame Bekannte bin ich auf Dein Projekt aufmerksam geworden. Aber erzähl‘ doch am Besten selbst, Ceren. 

Mons Bons ist ein kleines Label für Hundebekleidung und Accessoires. Aber auch passende Produkte für die Halter finden sich im Sortiment, um damit die starke emotionale Bindung zwischen Hunden und ihren Menschen anzusprechen. Meine Produkte orientieren sich an den Bedürfnissen von Hund und Halter. Hier lege ich vor allem auch großen Wert auf die Bequemlichkeit für die Träger, ob Vier- oder Zweibeiner. Meine Kollektion besteht aus passenden Hoodies und Westen sowie Hundebetten, Decken, Gassitaschen, Bandanas, Halsbänder und auch Kühlwesten für heißes Wetter. Der Grund, warum Mons Bons überhaupt entstanden ist, ist die soziale Verantwortung. Meine Mission ist es, komfortable, praktische und qualitativ hochwertige Designs für Hunde und ihre Menschen zu produzieren und gleichzeitig einen Beitrag zum Tierschutz auf der ganzen Welt zu leisten. Einen Teil des Gewinns spende ich an bedürftige Tiere.

Warum ausgerechnet türkischer Tierschutz?

Die Bedingungen für streunende Hunde oder Katzen sind in der Türkei sehr hart. Schon als kleines Kind habe ich Tiere geliebt und gepflegt. Ich brachte immer Streuner nach Hause und erzählte meinen Eltern, dass ich sie von meinen Schulfreunden geschenkt bekommen habe. Als ich dann in Istanbul lebte, kümmerte ich mich auch dort um streunende Hunde. Mit meinem Umzug nach Berlin wollte ich damit nicht aufhören. Deshalb habe ich Mons Bons gegründet und spende einen Teil meines Gewinns an die Tiere in Istanbul. Und da ich viel zwischen Berlin und Istanbul unterwegs bin, arbeite ich ehrenamtlich in einer Organisation, die streunende Hunde aus der Türkei nach ganz Europa vermittelt.

Welche Erfahrungen hast Du hier in Berlin bei der Adoption von Tierschutzhunden gesammelt?

Als Flugpatin habe ich einen Rüden von Istanbul nach Berlin gebracht. Seine Geschichte ist ziemlich traurig, aber zumindest hat sie ein Happy End. Er wurde von einem Jäger im Wald angeschossen und verlor deshalb ein Bein. Seine Rettung war eine Frau, die ihn fand und auf Facebook eine Anzeige schaltete, um eine neue Familie für ihn zu finden. Eine Familie aus Deutschland adoptierte ihn schließlich. In seinem neuen Zuhause hat er nun sogar einem großen umzäunten Garten, in dem er rennen und spielen kann. Und die Liebe seiner neuen Familie natürlich nicht zu vergessen.
Außerdem nahm ich die Transportbox zurück nach Istanbul. Die Organisationen brauchen nicht nur Adoptanten für ihre Schützlinge, sondern auch Geld für Nahrung, Transport- und Impfgebühren. Der Tierschutz in der Türkei ist zwar auch aktiv, allerdings reicht es aufgrund der Überzahl von streunenden Hunden und der Nachlässigkeit seitens der Regierung hinten und vorne nicht.

Die Vermittlung von Streunern ist ein sehr heißes Thema in der deutschen Hundeszene. Wie gehst du mit den Vorurteilen um?

Ich engagiere mich ehrenamtlich als Flugpatin. Wird ein Hund nach Berlin adoptiert, nehme ich ihn auf einen meiner Flüge mit. Deshalb war ich noch nie Vorurteilen ausgesetzt.  Die Familien, die ich bisher kennengelernt habe, haben meistens schon einen Streuner adoptiert und waren diesbezüglich sehr positiv eingestellt.

Welche Erwartungen haben die neuen Familien an ihre Schützlinge?

Familien suchen nach einem Hund, der in ihr Zuhause und ihren Alltag passt. Leider verlieren viele adoptierte Hunde bereits nach kurzer Zeit ihr neues Zuhause. Die Halter sind überfordert von den Verhaltensweisen der Hunde oder haben sich etwas anderes erhofft. Eine solcher Schritt kommt für mich nicht in Frage. Vielmehr müssen Adoptanten während und nach der Vermittlung stärker unterstützt werden, vor allem durch mehr freiwillige Pflegestellen.

 

Welche Unterschiede gibt es bei Adoptionen hier und in der Türkei?

In der Türkei leben viele Hunde auf der Straße und unter schlimmsten Bedingungen. Sie finden leider kein neues Zuhause, da die meisten Menschen sich für bestimmte Hunderassen oder insbesondere Welpen entscheiden. Somit leben in der Türkei nicht genügend Menschen, um allen Straßenhunden ein Zuhause zu geben. Allein in den Straßen von Istanbul leben mehr als 130.000 streunende Hunde. Und auch die Adoption von bedürftigen Tieren kommt für viele nicht in Frage, wenn es darum geht, einen Hund in die Familie aufzunehmen. Deshalb ist die Vermittlung ins europäische Ausland eine große Hilfe.

Was rätst Du jemandem, der einen Hund adoptieren möchte? Was sollte er/sie beachten?

Ich würde sagen, dass sie sich zu 100 Prozent sicher sein sollten, einen Hund aufzunehmen. Denn eine Rückkehr ins Tierheim ist für Hunde sehr traumatisch und mental schwierig. Ihnen sollte klar sein, dass eine Adoption bedeutet, dass ein neues Mitglied in die Familie einzieht, zusammen mit den ganzen Verantwortlichkeiten, die die Haltung eines Hundes mit sich bringt. Ist also zum Beispiel nicht genügend Zeit für Pflege, Training und Gassigänge vorhanden, wäre eine Adoption nicht das Richtige.

Wonach sollten sich Adoptanten ihren Hund aussuchen?

Ein wichtiges Kriterium ist unter anderem die Größe eines Hundes und die eigene tägliche Verfügbarkeit. Zum Beispiel sind kleine Wohnungen oder Single-Appartments für größere Vierbeiner nicht unbedingt optimal. Außerdem benötigen mittelgroße und große Hunde mehr Bewegung als ihre kleineren Artgenossen, weshalb sie im Vergleich zu kleinen Hunden länger laufen müssen.

Dein schönstes Adoptions-Happy End?

Als ich am College studierte, fütterte ich die Streuner vor meiner Universität. Eines Tages hatte es stark geschneit. Der Campus lag mitten im Nirgendwo und ich fuhr los, um die Hunde dort zu versorgen. Als ich ankam, rief ich sie zu mir. Bis einen kamen alle angelaufen. Dann hörte ich einen Hund aus dem Wald weinen und folgte natürlich dem Geräusch, um zu sehen, was vor sich ging. Ich fand einen Hund (ich nannte ihn Mikey), der vor Kälte zitterte. Obwohl er Angst vor mir hatte, kam er näher und versuchte, auf meinem Schoß zu sitzen, um sich zu wärmen. Ich rief Monas Tierarzt an, um Hilfe zu holen. Wegen eines Sturms brauchte er eine Stunde, um da zu sein. Später am Abend erkundigte ich mich beim Tierarzt, wie es Mikey ging. Er hatte Fieber (40 Grad) und hätte ohne unsere Hilfe nicht überlebt.

Mikeys Schicksal ließ mich nicht los. Also habe ich angefangen, ein Zuhause für ihn zu suchen. Einen circa zweijährigen Streuner wollte aber niemand haben. Er durfte beim Tierarzt bleiben und ich bezahlte für seinen Aufenthalt. Doch nach zehn Tagen wurde mir klar, dass es für ihn eine Qual war, ihn eingeschlossen zu sein. Daher beschloss ich, ihn zu dem Ort zurückzubringen, an dem ich ihn gefunden hatte. Auch, weil er dort sein Rudel hatte. Auf unserem Weg zur Universität, rief mich jemand an, um ihn zu adoptieren. Ich fühlte mich unglaublich glücklich!

Wie hast du deinen Hund Mona getroffen?

Mona habe ich als kleinen Welpen in Istanbul bekommen. Sie ist ein Geschenk des Halters von Monas Mutter.

Ist sie mit dir von Istanbul nach Berlin gezogen?

Ja, wir sind zusammen nach Berlin gezogen.

Wie hast du den Umzug organisiert? War es schwierig?

Vorab gab es viele Vorschriften zu erfüllen. Angefangen vom Chip bis zum Nachweis einer aktuellen Tollwutimpfung, die nach der Implantation des Mikrochips verabreicht wurde. Da die Türkei als Tollwutland gelistet ist, muss 30 Tage nach der Impfung ein Tollwut-Titer-Test durchgeführt werden. Erst 3 Kalendermonate nach Datum der Blutabnahme darf dann der Vierbeiner nach Deutschland einreisen, um eine Quarantäne zu vermeiden. Und das Gesundheitszeugnis vom Landwirtschaftsministerium nicht zu vergessen.

Das Allerschwierigste war aber der Flug selbst. Jedenfalls für mich. Mona gehört zu einer großen Rasse und darf nur im Frachtraum mitfliegen. Ich hatte die ganze Zeit, dass ihr dort etwas Schlimmes passieren könnte.

Und wie fühlte sich Mona in ihren ersten Wochen in Berlin?

Vor unserem Umzug nach Berlin lebten Mona und ich bei meinem Vater. Sein Haus ist abgelegen vom Stadtleben. Mit einem großen umzäunten Garten in Istanbul waren ihr Ambulanzsirenen, Autohupen oder Menschenmassen fremd. Daher waren die ersten Monate in Berlin sehr intensiv für sie. Vor jedem Geräusch hatte sie Angst und es brauchte eine Weile, bis sie sich an alles gewöhnte. Mittlerweile ist sie aber ein hundertprozentiges Stadtmädchen ☺

Du träumst davon, irgendwann ein eigenes Shelter aufzubauen. Was tust Du dafür?

Bis mein Traum wahr wird, braucht es noch viele Schritte. Momentan bin ich dabei, die notwendigen Erfahrungen zu sammeln und werde in zwei Monaten ein Ehrenamt beim Tierschutz Berlin beginnen.

 

Liebe Ceren, vielen Dank für das offene Interview und unsere gemeinsame Mittagsrunde. Niko war sofort ein Fan von Dir 😉 Für Mons Bons und deinen großen Zukunftstraum drücken wir dir alle Daumen und Pfoten. Wer mehr über Ceren und Mona erfahren möchte, folgt einfach dem Link oder schaut bei den Beiden auf Facebook vorbei.

 

 

Das Interview haben wir auf englisch geführt. Wer neugierig ist und gerne die Originalantworten von Ceren lesen möchte, kann dies hier tun:

About Ruth and Sally of Black Isle Bakery, I became aware of Mons Bons. A mini-brand that immediately makes my heart beat. Ceren, just tell us about your project.

Mons Bons is a dog cloths & accessories company that also incorporates matching products for the owners into its catalogue, thereby appealing to the strong emotional bond between dogs and their owners. I value the needs of both dogs and the owners, and thus I develop my products to make dogs as comfortable as possible while taking into account the convenience of the owners. My main products are matching hoodies and vests; accompanied with dog beds, blankets, dog walking bags, bandanas, collars and also cooling vests for hot weathers. One of my main purposes is donating a share of Mons Bons’s profit to the animals in need; which means I will not only produce consumer goods but also serve as a social responsibility project. My mission is to produce comfortable, practical and high quality designs for dogs and their humans while contributing to animal welfare around the world.

Why are you involved in Turkish animal welfare?

If you deeply care for animals, like me, and you have lived in Turkey; you can’t ignore the conditions of the stray dogs or cats there. Since I was a little child, I always loved and cared for animals. I used to bring stray cats and dogs to my house and tell my parents that they were gifts from my school friends. When I lived in Istanbul, I was helping the stray dogs actively, and after moving to Berlin I didn’t want to stop helping them. Therefore, I decided to establish my own company and donate a share of my profit to the animals in Istanbul. Also, since I started to travel a lot between Berlin-Istanbul, I volunteer in an organization that finds European homes for the stray dogs in Turkey. Helping animals in need has been the purpose of my life, and I am trying to achieve this in every way.

What experiences did you have in the adoption of animal protection dogs?

I brought an adopted very beautiful boy from Istanbul to Berlin. His story is pretty sad, but at least it has a happy ending. He was shot by a hunter in the forest and therefore he lost his one leg. A lady found and saved him, and afterwards gave an advertisement on Facebook in order to find a new family for him. A German family saw the advertisement, and wanted to adopt him. I’ve helped to reunite him and his new family. He lives in a big fenced garden where he can run and play freely, and is loved by his family.

Also, I took back the transportation box back to Istanbul. As you can understand from this, the organizations need not only families to adopt dogs but also money in order to buy food, pay the transportation and vaccination fees. There are some Turkish people who are trying to help, but because of the overpopulation of stray dogs and negligence of the government, their help is unfortunately not enough.

The adoption of stray dogs is a very hot topic in the German dog scene. How do you deal with the prejudices?

I am volunteering as a flight guide, so when a German family adopts a dog, I bring him/her from Istanbul to Berlin. Therefore, I’ve never been exposed to prejudices so far, because all the German families that I’ve met have already adopted a stray dog, so they were totally fine concerning adoption.

What expectations do the new families have for their protégés?

Families are looking for a dog who is suitable for their homes, that is why offering a foster home service is vital for an adoption. A lot of people bring their adopted dogs back after a couple of days because of the actions of the dog. Even though I strongly believe that bringing the dog back is NOT the right thing to do, since people want to adopt dogs with appropriate behaviors, more people need to volunteer for being a foster home.

To what extent did German adoptions differ from dog owners in Turkey?

In Turkey, there are lots of stray dogs, and the shelters are the worst places they can ever be. Most people there prefer to buy known breed dogs or puppies and thus there aren’t enough people to rescue all the dogs in Turkey. Most people in Turkey don’t even think about adoption when they decide to get a dog. Istanbul only has more than 130.000 stray dogs, so it’s impossible to have them all rescued by Turkish owners. That’s why German and other European adoptions play an important role.

What do you advise someone who wants to adopt a dog? What should he/she be aware of?

I would say that they should be 100 percent sure about getting a dog because returning to a shelter is very traumatic and mentally difficult for dogs. Also, they should understand that an adoption of a dog means adding a new member to their families along with the responsibilities that come with owning a dog. If they are not going to be able to spare their time to care for, walk and exercise their dog, they shouldn’t get a dog in the first place.

What should interested people choose their dog for?

When people decide to adopt a dog, they should choose their dog according to the size of their home and their daily availability. For instance, if their apartment is a studio apartment, in my opinion they shouldn’t get a large dog. People should realize that medium or large sized dogs need to do more exercise, so they have to be walked for longer time compared to small dogs.

Your best happy ending with an adoption?

When I was studying in college, I used to feed the stray dogs in front of my university. One day it snowed a lot, and since the campus was in the middle of nowhere, I drove there in order to give food to dogs that lived there. When I arrived, I called them and they came to me immediately, but one was missing. Then I heard a dog cry from the forest, and of course followed the sound to see what was going on. There was the dog who was shaking because of the cold, and even though he was afraid of me, he (Mikey) approached and tried to sit on my lap to get warm. I called Mona’s vet to get help, and because of the storm he was there after an hour. I waited there with the dog until the help was there. In the evening, I called the vet to learn how Mikey was doing, and he told me that he had a fever (40 degrees) and he wouldn’t have survived if we hadn’t helped him. After this incident, of course I got very attached to Mikey and started to search a home for him. However, since he was a 2-year-old stray dog, no one wanted him. I was keeping him in the vet and paying for his stay, and after 10 days I realized that keeping him locked was torture for him; therefore, I decided to take him back to the place where I found him because his pack was there. I took him and while driving towards my university, someone called me to adopt him. I felt incredibly happy!

How did you meet your dog Mona?

Mona is a gift from the owner of Mona’s mother.

Did she move with you from Istanbul to Berlin?

Yes, we moved to Berlin together.

How did you organized the move? Was it difficult?

There are lots of regulations that you need to complete. First of all, your dog has to be microchipped. Then you need proof of a current rabies vaccination that was administered after the microchip was implanted. Since Turkey is listed as a high rabies country, after 30 days of the rabies vaccination, a rabies titer test must be administered. Then, your pet can enter Germany no sooner than 3 calendar months after the date the blood was drawn to avoid quarantine. The last step is getting the health certificate of your dog from the ministry of agriculture.

The most difficult part for me was the flight. Since Mona is a large breed, she had to fly in the cargo compartment, and I was too scared that something bad might happen to her.

And how felt Mona in her first weeks in Berlin?

Before moving to Berlin, Mona and I used to live with my father, and his house is far away from the city life. Mona used to live in a big fenced garden in Istanbul, so she was never exposed to an ambulance siren, a car horn or too many people. Therefore, first months in Berlin were quite intense for her. She used to be scared from every sound when I walked her in the beginning, but after some time she got used to all of it. Now she is a hundred percent city girl J

I read that you dream of opening your own shelter someday. How is that beautiful dream going on?

I am regarding this as a future project, so I am not currently and actively doing anything to build my own shelter. However, I will volunteer at Tierschutz Berlin in 2 months in order to gain experience for my future goal. So, I am taking baby steps towards building a shelter.

 

Alle Fotos (bis auf Niko): Mons Bons