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Wenn Frauchen mal weg muss: Unsere Checkliste für die beste Hundebetreuung

24. Mai 2016

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Das Dilemma kennt Ihr sicherlich: Ob Termine, Geschäftsreise oder Urlaub – manchmal lässt es sich einfach nicht vermeiden, dass die geliebte Fellnase uns nicht begleiten kann. Bei uns sind das konkret immer zwei Tage in der Woche, an denen ich Niko quasi woanders „parken“ muss. An diese Situation mussten wir uns beide relativ schnell gewöhnen. Als ich Niko adoptierte, konnte ich leider so spontan keinen Urlaub nehmen. Daher musste der kleine Mann bereits kurz nach seinem Einzug tagsüber anderweitig betreut werden. Mir fiel diese Trennung richtig schwer und ich machte teilweise auch (unbegründet) Sorgen. Anfangs überbrückte ich diese Tage mit Freunden und Bekannten – eine Lösung, die nur sehr bedingt funktioniert und Freundschaften auch ganz schön strapazieren kann. Denn über mehrere Stunden auf einen Hund aufzupassen, insbesondere wenn er noch relativ jung ist und gerade erst in seinem neuen Zuhause angekommen ist, bedeutet eine Menge Verantwortung und Einschränkung. Mit einem kleinen Hund, der sich erst an den Stadtverkehr und dessen Geräusche gewöhnt, sind Schaufensterbummel bei schönstem Sonnenschein einfach nicht optimal. Eine erfahrene und langfristige Betreuung musste also her. Und das Angebot ist riesig:  von stundenweisen Gassiservices, Dogwalking, Hundetagesstätten oder Communities wie Leinentausch oder PetCloop. Einige Anläufe und Castings später haben wir dank einer lieben Kollegin die beste Pudel-Bespaßerin gefunden: Katrin und ihre Waldhunde.

Wie auch Ihr die für Euren Vierbeiner beste Betreuung findet, lest Ihr in unserer Checkliste:

Welche Betreuung suche ich eigentlich?

Wenn Ihr einen Hundesitter sucht, solltet Ihr Euch in erster Linie darüber klar werden, wie die Betreuung aussehen soll. Ich habe mich aus mehreren Gründen für eine Hundetagesstätte entschieden: Morgens bringe ich Niko bei Katrin vorbei und nehme ich zum Feierabend wieder mit nach Hause, ganz so wie bei Kindergärten. Großer Vorteil: Der Pudel kann den ganzen Tag in seiner Gruppe bleiben und ich kann dafür meine Arbeitszeiten einhalten. Doch ganz besonders begeistert war ich vom Grundstück. Die Tagesstätte ist ein größeres Areal mit Bäumen zum Schatten spenden, viel Platz zum Toben, Sprinten und Löcher buddeln und genügend Rückzugsmöglichkeiten für einen kleinen Powernap zwischendurch oder bei Regen und im Winter. Schon aufgrund Nikos noch jugendlichem Alter und das Tatsache, dass er nicht der klassische Jagdhund ist, kamen für mich Service, die mit ihren Rudeln stundenlang wandern gehen, nur bedingt in Frage. Bei den Waldhunden kann Niko nämlich für sich entscheiden, wie aktiv er sein möchte. 

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Das erste Kennenlernen

Habt Ihr Euch für jemanden entschieden, geht’s auch schon los – das erste Kennenlernen mit Hund. Auch wenn Eure Fellnase zu den eher entspannten Typen zählt, wird Euch ein erfahrener Hundesitter zunächst auf neutralem Boden zu einem ersten Treffen bitten. Hundesitter, die Interessenten direkt zu sich nach Hause einladen, können dies nur machen, wenn in diesem Moment keine weiteren Tiere betreut werden und auch der eigene Hund nicht vor Ort ist. Damit werden Spannungen, Revierverteidigungen oder Streitereien zwischen den Vierbeinern vermieden, die durch das „Eindringen“ fremder Menschen und Hunde verursacht werden können.

Können sich beide riechen?

Niko ist an sich sehr sonniges Gemüt und äußerst verspielt. Sobald er andere Hunde wittert, ist er sofort in Spiellaune. Ihn für ein Rudel zu begeistern, ist daher nicht sehr schwierig. Auch in unserer Testphase ist mir zum Beispiel aufgefallen, dass es ihm leichter fällt, den Tag dort zu verbringen, wo auch andere Hunde sind als bei einer einzelnen Person. Natürlich schaut er erstmal komisch, wenn ich ohne ich aufbreche. Aber wenn er Katrin und ihre Hündin sieht oder nur von weitem wittert, gibt es für ihn kein Halten mehr. Sogar wenn er Katrins Auto in einer Parklücke sieht, muss er sich die ganze Zeit vergewissern, dass sie nicht vielleicht doch drin sitzt. Herrlich. Trefft Ihr Euch mit potentiellen Hundesitter, vertraut unbedingt auf die Intuition Eurer Fellnase. Euer Hund signalisiert ganz genau, ob er sich bei der anderen Person wohlfühlt. Zeigt sich der Vierbeiner interessiert, offen, neugierig oder fordert er sogar zum Spielen auf? Dann ist alles im grünen Bereich. Reagiert er allerdings angespannt, wirkt steif oder auch ängstlich? Dann ist der richtige Tagespartner leider noch nicht gefunden.

Es ist völlig normal und absolut nachvollziehbar, sich auf der Suche nach einer optimalen Hundebetreuung mehrere Leute anzuschauen. Die Chemie zwischen beiden muss eben stimmen. Niko hat Katrin von Anfang an akzeptiert. Damit habe ich, wenn ich ihn abgebe, ein ruhiges Gewissen und weiß, dass er einen schönen Tag haben wird. 

Harmonische Rudeldynamik

IMG_5461Nicht nur regelmäßige soziale Kontakte, sondern auch das Einnehmen einer Position im Rudel sind wichtige Prozesse in der Entwicklung junger Hunde. Es gibt soviele Dinge, die ich als Mensch Niko nicht beibringen kann, die er aber von seinen Artgenossen ganz nebenbei lernt. Besuchen Hunde regelmäßig ihren Hundesitter, entsteht daraus mit der Zeit ein richtiges Rudel. Auch Niko ist Teil eines solchen Stammrudels geworden. Daher ist es umso wichtiger, zu klären, wie sich das Rudel zusammensetzt: Wie alt sind zum Beispiel die Hunde im Schnitt? Ältere Hunde sind meist von aufdringlichen und spielfreudigen Welpen genervt und weisen die Jungspunde entsprechend in ihre Schranken. Ein ganz normales Verhalten und Teil des gewünschten Lernprozesses, doch sollte hierbei auch das Größenverhältnis passen, um Verletzungen und nachwirkende Negativerfahrungen zu vermeiden. Interessant ist auch, dass alte Hunde und Hunde mit Handicap relativ schnell in eine Gruppe integriert werden und anscheinend eine Art Freifahrtschein genießen. 

Auf Probe

Hunde lügen nicht und zeigen ganz genau wie „ihr Tag“ war. Auch Niko lässt sich wie ein offenes Buch lesen. So wie heute: Richtig ausgepowert, hat er sich schnell sein Abendessen geschnappt und sich anschließend friedlich in seinem Körbchen eingerollt. Mit Besuchen von Hundeauslaufgebieten ist das nur bedingt vergleichbar. Ob die Stunden mit entspannten Bekanntschaften und kruzweiligen Spielen füllen oder ob die Stimmung auf dem Platz eher angespannt ist, lässt sich vorher nur schlecht abschätzen. In seinem festen Rudel hat Niko seinen Platz gefunden und kennt seine Spielgefährten. Das ist für alle sehr viel entspannter. Es gilt daher herauszufinden, ob der Hund in das bestehende Rudel passt. Ein erfahrener Hundesitter lädt nach dem ersten Kennenlernen zu einem Probetag ein. So lässt es sich leicht einschätzen, ob sich der Hund im Rudel wohlfühlt oder sich länger mit der Situation auseinandersetzen muss, dass man selbst nicht anwesend ist. Der Testlauf sollte mindestens einen halben Tag dauern, damit sich alle Beteiligten gewöhnen und miteinander warm werden können. Niko hat seinen Probetag spielend gemeistert und nur am Rande zur Kenntnis genommen, dass ich gar nicht mehr auf dem Gelände war. Er war einfach zu sehr mit Spielen und Schnüffeln beschäftigt. Stellt Euch auf jeden Fall aber auch darauf ein, dass ein Hundesitter die Betreuung Eures Hundes nicht übernehmen möchte, weil die Fellnase aus vielerlei Gründen nicht in das Rudel passt. 

Tagesrhythmus und Aktivitätsgewohnheiten

Bevor Ihr eine Entscheidung trefft, schaut Euch auch den Tagesablauf und die Gewohnheiten des Rudels genauer an. Während meiner Suche hörte ich des Öfteren, dass sich die jeweiligen Hundesitter auf einen kleineren Hund in ihrem Rudel freuen würden. Doch in einer Gruppe mit größeren und vor allem lauffreudigen Rassen kann ein pudeliger Junghund schnell fehl am Platz sein. Niko tobt zwar gerne und fegt auch ordentlich über den Platz, doch für zum Beispiel sechsstündige Feld- und Wiesentouren mit Jagdhunden oder Huskies ist er eher nicht so geeignet.

Der Mix macht’s, damit die Balance stimmt. Nikos Rudel ist rasse- und altersmäßig sehr gemischt mit relativ kleinen Hunden, Senioren, quirligen Junghunden und größeren Rassen wie Labra-Doodles. Innerhalb des Rudels finden sich dann von ganz allein die passenden Spielpartner. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Hunde, die täglich mehrere Stunden beim Hundesitter verbringen, brauchen zusätzlich noch ein Unterhaltungsprogramm. Spazieren gehen und Spielrunden reichen nicht aus, um die Hunde richtig auszulasten. Katrin legt jeden Tag kleinere Lerneinheiten ein, bei denen entweder alle oder nur eine kleinere Gruppe von Hunden mitmachen. Spannende Abwechslung bringen auch Schnüffelspiele, die nicht nur die Hundenase trainieren, sondern auch die Konzentration fördern. 

Ein erfahrenes Auge

Der Hundebetreuer sollte sein Handwerk unbedingt verstehen, immerhin vertrauen wir ihm unsere Lieblinge an. Gute Hundesitter belegen Seminare und können dann entsprechende Zertifikate vorlegen. Oftmals leben eigene Hunde beim Sitter, deren Verhalten und Erziehung Aufschluss auf den Umgang mit den Vierbeinern geben. Vor allem Ruhe, Sicherheit und Souveränität strahlen erfahrene Sitter aus. Nur so akzeptiert und respektiert das Rudel seinen Führer. Von unerfahrenen Personen sollte dem Tier zuliebe eher Abstand genommen werden. Ein weiterer Pluspunkt: Durch Katrins Beobachtungen und ihr objektives Auge bekomme ich immer ein Update über Nikos Entwicklung. Sie erkennt eventuelle Auffälligkeiten, an denen wir dann frühzeitig arbeiten können. Bisher war alles im Lot. Niko benimmt ist seinem Alter entsprechend sehr neugierig und aufgeschlossen. Wenn ich ihn abends abhole, erzählt mir Katrin von seinem Tag. Gab es Reibereien? Hat er etwas neues gelernt? Oder ob ihr gesundheitlich etwas aufgefallen ist. Fast so wie der Elternabend in der Schule. 

Papierkram und Transparenz

Habt Ihr Euch endgültig entschieden, fängt nun der Papierkram an. Gewissenhafte Sitter werden Euch einen Vertrag geben, in dem nicht nur der Betreuungsumfang, sondern auch alle anderen Eventualitäten wie Übernahme von Tierarztkosten bei Raufereien oder der Ablauf in Notfällen geregelt sind. Damit seid nicht nur Ihr, sondern auch der Betreuer in allen Situationen abgesichert. Auch der Nachweis einer Haftpflichtversicherung und ein gültiger Impfpass müssen vor dem ersten offiziellen Besuch vorgelegt werden. Ein sehr beruhigendes Gefühl! Kleiner Tipp für die Versicherung: Überprüft bitte unbedingt, ob Schadensfälle, die während des Aufenthalts in der Hundetagesstätte entstehen, durch die Versicherung abgedeckt sind.

Und zuletzt:

Es ist immer schwer, den Liebling zurückzulassen bzw. andere Menschen anzuvertrauen. Daher solltet Ihr Euch immer genug Zeit geben, den richtigen Betreuer zu finden. Das Angebot ist groß und für jeden etwas dabei. Achtet auch immer darauf, wie sich Euer Hund verhält, wenn Ihr ihn zum Hundesitter bringt! Niko ist jedes Mal außer Rand und Band. Wir brauchen dann immer ein paar Minuten, bis er sich wieder beruhigt. Die Zeit im Waldhunde-Rudel und Katrins ruhige Art haben enorm zu Nikos Selbstbewusstsein und positives soziales Verhalten beigetragen. Außerdem hat er die eine oder andere Hundefreundschaft geschlossen. Wenn Ihr noch nicht ganz so schnell loslassen könnt: Ein seriöser Hundesitter hat meist nichts dagegen, wenn Ihr ihm über die Schulter schaut und ihn beispielsweise bei einem Spaziergang begleitet.

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