Schon an die Zukunft gedacht? Vorsorge für den Notfall

Purzel ist ein zauberhafter weißer Pudel. Mit rüstigen 14 Jahren hat er plötzlich sein vertrautes Zuhause verloren. Sein Frauchen ist gerade verstorben und nun droht dem armen Kerlchen nicht nur Trauer, sondern auch seine letzten Seniorenjahre im Tierheim zu verbringen, falls sich niemand für ihn findet.

Jedes Tier leidet unter dem Verlust seiner Bezugsperson.

Häufig lese ich Aufrufe für Vierbeiner, die durch Tod oder Krankheit in der Familie ihr vertrautes Körbchen mit dem Tierheim tauschen mussten. Wie eben auch der beherzte Aufruf für Purzel.

Was wäre wenn?

… ist eine ziemlich unbequeme Frage. Ganz bequem – und ich nehme mich da nicht aus – wird sie liebend gern in eine noch unbekannte Zukunft geschoben. Es ist ja noch genügend Zeit. Doch leider zeigen die Geschichten des Lebens immer wieder, dass es manchmal doch anders kommt, als man es sich wünscht. Auch wenn es nur ein Unfall ist, der zu einem längeren Krankenhausaufenthalt zwingt. 

Ob wildes Rennrad-fahren (tatsächlich mit dem einen oder anderen Unfall), Demonstrationen für eine bessere Welt oder durchfeierte Nächte fast bis zur Mittagssonne – mit dem Einzug von Niko in mein Leben war auch ein riesiges Stück Verantwortung mit im Gepäck. Schon eine Flugreise lässt mich heute ein wenig nervös werden, ob ich auch heil wieder zu Hause ankomme. Und dass, obwohl ich Reisen liebe. 

Aber was wäre denn nun wenn?

Für Notfälle steckt immer eine Art Notfallkarte in meinem Portemonnaie. Auf dieser Karte ist vermerkt, dass in meinem Zuhause ein Tier lebt, welcher Art dieses Tier ist und wer zur weiteren Betreuung für das Tier zu verständigen ist. Damit lassen sich zumindest kurzfristig unvorhersehbare Situationen gut vorbereiten. Mir persönlich gibt diese Karte viel mehr Sicherheit, wenn ich ohne Niko unterwegs bin. Zwar tanze ich nicht auf irgendwelchen Dächern, aber vielleicht stürze ich mal ungünstig im Straßenverkehr. Daher bin ich auch nie ohne mein Telefon unterwegs, um im Fall der Fälle noch selbst schnell Bescheid zu geben und Nikos Betreuung zu organisieren. Sicher ist eben sicher.

Familiär gesehen sieht es bei mir so ziemlich mau aus. Und ab welchem Zeitpunkt fühlt sich der (neue) Partner dazu bereit, sich weiter und allein um die geliebte Fellnase zu kümmern? Ab wann ist die Bindung denn stark genug, wenn das Tier vorher nur mich als Bezugsperson hatte und ich es selbst mit in die Beziehung brachte?

Rein theoretisch oder laut Schutzvertrag des Tierschutz-Vereins, den ich seinerzeit unterschrieb, müsste Niko im Notfall zurück in die Obhut dieses Vereins. Von dort aus würde er dann weiter vermittelt werden – an ihm völlig fremde Menschen. Will ich das ? Nein! Das würde mir – egal, wo ich wäre – das Herz brechen. Ich wünsche mir, dass er in einem vertrauten Umfeld bleiben darf – am besten bei einem Menschen, der ihn kennt und mit ihm vertrauensvoll umgehen kann.

Niemand sollte sich emotional gezwungen fühlen

Im entfernten Bekanntenkreis ist genau dieser Fall eingetreten. Zur Überbrückung eines Krankenhausaufenthaltes nahm eine Familie den Hund eines engen Freundes in Pflege. Unerwartet verstarb der Mann während der Behandlung und die Familie blieb im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Hund sitzen. Ein eigenes Haustier passte eigentlich so gar nicht in ihre Pläne. Doch aus emotionaler Verpflichtung ihrem Freund gegenüber behielten sie das Tier. Soweit so gut, wäre da nicht das störende Bauchgefühl, dass sie den Hund doch eigentlich gar nicht wollten. Es hat sich auch nach Jahren nicht verflüchtigt. Ein Umstand, den natürlich auch das Tier spürt.

Ein Schicksal, das ich meinem Fellfreund unbedingt ersparen möchte. 

Freunde und Lebenssituationen verändern sich. Keiner kann mir heute sagen, ob ich in den nächsten zehn Jahren noch immer mit den gleichen Menschen eng zu tun haben werde. Allein in den letzten drei Jahren hat sich mein Freundes- und Bekanntenkreis ziemlich verändert. Denn die Adoption des kleinen Pudeltiers kam nicht überall gut an. Es gibt mich nur noch mit Anhang, Nachtschwärmereien bis in den tiefen Morgen sind vorbei und Spontanitäten ohne Fellbegleitung bedeuten einen logistischen Aufwand, falls es doch etwas länger dauern sollte. Und in meiner freien Zeit mache ich mir eher Gedanken, in welchen Wald oder Park wir fahren, damit Niko maximal Spaß hat.  

Für die Vorsorge ist es also das Beste, immer wieder in sein eigenes soziales Umfeld hineinzuhorchen, wer als potentieller Adoptivmensch in Frage kommt und ob sich der- oder diejenige überhaupt vorstellen kann, das „Erbe“ anzunehmen. Denn gemeinsam mit Körbchen und Napf zieht auch ein neue Verantwortung und ein neuer Lebensrhythmus mit ein. Das muss jedem klar sein. Denn Lebensumstände verändern sich – sei es durch Kinder, eigene Tiere, fordernde Jobs oder auch eine geplante Weltreise. 

Absicherung mit Testament

Vertrauen ist gut – aber ich gehe meistens lieber auf Nummer sicher. Insbesondere dann, wenn es um Nikos Lebensumstände geht. Getroffene Absprachen lassen sich zum Beispiel auch in ein Testament übernehmen. Da für Tiere vor dem geltenden Recht (gemäß § 90a BGB) die für Sachen geltenden Vorschriften anzuwenden sind, können sie quasi ganz normal vererbt werden. Mittels Auflage können dann die testamentarischen Erben nach § 1940 BGB oder einer Bedingung nach § 2075 BGB zur Versorgung des hinterbliebenen Haustieres verpflichtet werden. Allerdings ist hier auch zu bedenken, dass die Erben den Nachlass natürlich auch ausschlagen können. Daher ist es wirklich unablässig, dass sich beide Seite offen und ehrlich auseinandersetzen. Eine Alternative zu Lebzeiten wäre auch ein Schenkungsvertrag oder eine sogenannte

Tier-Vorsorgevollmacht 

Bleibt die Suche im näheren Umfeld erfolglos, besteht noch die Möglichkeit, mit einem Tierschutzverein des Vertrauens eine solche Vollmacht abzuschließen. Der Verein verpflichtet sich darin, das Tier entsprechend zu versorgen, sobald der Halter diese nicht mehr gewährleisten kann. Dafür stellt der Halter die notwendigen finanziellen Mittel für Futter und etwaige Medikamente. Auch hier ist es wichtig, möglichst frühzeitig mit dem Verein in Kontakt zu treten und ein Gefühl für die Menschen hinter dem Verein zu bekommen. Denn oftmals sind gerade bei kleineren, privaten Organisationen die Kapazitäten begrenzt, so dass sie adhoc im Notfall gar nicht einspringen können.

© JoeGene Photography/ Universe

Für Niko und mich habe ich zwar noch keine Entscheidung getroffen, gehe aber mit der Frage viel bewusster um als noch vor einigen Monaten. Auch wenn die Vorstellung über die Endlichkeit der Dinge keine Begeisterungsstürme in mir auslöst, gehört diese Eventualität unbedingt zu der Verantwortung, die ich vor knapp 3 Jahren übernommen habe. Und das sollte sich jeder Tierhalter immer wieder ins Bewusstsein rufen.

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